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	<title>Readers Edition</title>
	<link>http://www.readers-edition.de</link>
	<description>Portal für Bürgerjournalismus in Deutschland</description>
	<pubDate>Mon, 05 Jan 2009 19:03:59 +0000</pubDate>
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	<language>en</language>
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		<title>Fundst&#252;cke aus dem Netz: &#8220;Was h&#228;lt die Welt im Innersten zusammen?&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Jan 2009 12:56:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nicole oppelt</dc:creator>
		
	<category>Wissenschaft</category>
	<category>Internetkultur</category>
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		<description><![CDATA[  Ein neues Jahr ist angebrochen. Die Tage der Erholung, des Resetens sind vorbei. Frisch gehen wir wieder an unser Tagewerk und widmen uns den anstehenden Aufgaben. Da werden wie selbstverst&#228;ndlich Emails gecheckt, die neuesten Nachrichten auf dem Ticker zur Kenntnis genommen. Aktuelle Ereignisse flugs verarbeitet. Die Deutsche Welle geht jedoch einen anderen Weg. Sie [...] ]]></description>
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<dd>Rolf-Dieter Heuer steht der Deutschen Welle Rede und Antwort. Photo: screenshot</dd>
</dl>
<p>Ein neues Jahr ist angebrochen. Die Tage der Erholung, des Resetens sind vorbei. Frisch gehen wir wieder an unser Tagewerk und widmen uns den anstehenden Aufgaben. Da werden wie selbstverst&#228;ndlich Emails gecheckt, die neuesten Nachrichten auf dem Ticker zur Kenntnis genommen. Aktuelle Ereignisse flugs verarbeitet. Die Deutsche Welle geht jedoch einen anderen Weg. Sie fragt lieber ganz global: &#8220;Was h&#228;lt die Welt im Innersten zusammen?&#8221;</p>
<p>Als Gespr&#228;chspartner haben sich die Verantwortlichen Herrn <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Rolf-Dieter_Heuer">Rolf-Dieter Heuer</a>, frischgebackenen Generaldirektor des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ische_Organisation_f%C3%BCr_Kernforschung">CERN-Instituts</a> ausgesucht. Gemeinsam mit dem studierten Physiker geht die Journalistin Manuela Kasper-Claridge den &#8220;&#252;bergeordneten Dingen&#8221; auf den Grund. Schon zu Anfang wird daher festgestellt: Wir wissen eigentlich, dass wir nichts wissen - erst vier bis f&#252;nf Prozent des Universums versteht die Menschheit derzeit &#252;berhaupt. Nun sieht die Sachlage allerdings etwas anders aus. Prof. Heuer macht deutlich: &#8220;Wir stehen jetzt an der Schwelle zum ersten Verst&#228;ndnis der n&#228;chsten 95 Prozent.&#8221;</p>
<p><strong>Wie funktioniert das System? Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin?</strong></p>
<p>Fragen &#252;ber Fragen, die die Elementare Forschung, welche oft genug an die Grenzen der Philosophie st&#246;&#223;t, seiner Meinung nach auch in Zukunft unabdingbar machen. Denn genau das unterscheide uns eben von allen anderen Kreaturen. Der &#8220;Herr der Teilchen&#8221;, wie er oftmals scherzhaft genannt wird, arbeitet mit seinem Team daher unerm&#252;dlich an der &#8220;fordersten Front&#8221;. Dass da nicht immer alles glatt laufen kann, das muss allerdings auch er eingestehen. Ab und zu kommen aber dann doch Dinge dabei heraus, von denen wir alle profitieren: Das World Wide Web. Und auch hier scheint die n&#228;chste Stufe schon in Vorbereitung.</p>
<p><a href="http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&#038;videoid=49611903">Journal Interview | Rolf-Dieter Heuer, Direktor CERN</a><br/><object width="425px" height="360px" ><br />
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<param name="movie" value="http://mediaservices.myspace.com/services/media/embed.aspx/m=49611903,t=1,mt=video,searchID=,primarycolor=,secondarycolor="/><embed src="http://mediaservices.myspace.com/services/media/embed.aspx/m=49611903,t=1,mt=video,searchID=,primarycolor=,secondarycolor=" width="425" height="360" allowFullScreen="true" type="application/x-shockwave-flash" wmode="transparent"/></object>
</p>
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		<item>
		<title>&#8220;Forscher wollen Erfolg von Online-Inhalten vorausberechnen&#8221; - Ein Lesetipp</title>
		<link>http://www.readers-edition.de/2008/12/30/forscher-wollen-erfolg-von-online-inhalten-vorausberechnen-ein-lesetipp/</link>
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		<pubDate>Tue, 30 Dec 2008 16:34:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>nicole oppelt</dc:creator>
		
	<category>Web &amp; Technik</category>
	<category>Wissenschaft</category>
	<category>Internetkultur</category>
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		<description><![CDATA[  &#8220;Die aktuelle Wirtschaftskrise sorgt f&#252;r eine Neuausrichtung der Marketingbudgets. Da ist es kein Wunder, dass Firmen nach neuen M&#246;glichkeiten suchen, auch im Internet jeden Werbedollar m&#246;glichst effizient einzusetzen&#8221;, wird derzeit auf heise.de passend zur aktuellen Stimmung eingel&#228;utet. Und wie sie das genau anstellen sollen, das haben angeblich Forscher an der HP Labs in Palo [...] ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl class="bild">
<dt><img src="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2008/12/digg.jpg" /></dt>
<dd>Beobachten und so in die Zukunft schauen - bei Youtube scheint das zu funktionieren. Photo: screenshot</dd>
</dl>
<p>&#8220;Die aktuelle Wirtschaftskrise sorgt f&#252;r eine Neuausrichtung der Marketingbudgets. Da ist es kein Wunder, dass Firmen nach neuen M&#246;glichkeiten suchen, auch im Internet jeden Werbedollar m&#246;glichst effizient einzusetzen&#8221;, wird derzeit auf <a href="http://www.heise.de/newsticker/Forscher-wollen-Erfolg-von-Online-Inhalten-vorausberechnen--/meldung/120985">heise.de</a> passend zur aktuellen Stimmung eingel&#228;utet. Und wie sie das genau anstellen sollen, das haben angeblich Forscher an der HP Labs in Palo Alto herausgefunden. Denn von nun an soll m&#246;glichst fr&#252;h erkennbar sein, welche Inhalte im Netz in der Zukunft eher beliebt oder unbeliebt werden k&#246;nnten.</p>
<p>In einem Beitrag des Technologiemagazins &#8220;<a href="http://www.heise.de/tr/Die-Popularitaetsformel--/artikel/120745">Technology Review</a>&#8221; wird das Verfahren, das auf einer Untersuchung der Daten von YouTube und Digg beruht und sich letztlich in einer so genannten &#8220;Popularit&#228;tskurve&#8221; darstellen l&#228;sst, wie folgt erkl&#228;rt: &#8220;Die Wissenschaftler betrachten dazu die ersten paar Stunden oder Tage, nachdem ein Beitrag ins Netz gestellt wurde (&#8230;). Daraus lie&#223; sich die k&#252;nftige Beliebtheit (und Klickrate) erstaunlich genau erschlie&#223;en.&#8221; Ganz klar, dass dann auch die Werbung entsprechend geschaltet und die Inhalte m&#246;glichst prominent platziert werden k&#246;nnen. &#8220;Das wird den Werbetreibenden erlauben, zumindest ein Gef&#252;hl daf&#252;r zu bekommen, wo sie gerne buchen wollen, wenn sie fr&#252;h genug Informationen dar&#252;ber haben, was die Leute interessiert&#8221;, argumentiert auch Bernardo Hubermann, Senioer Fellov bei HP und Leiter der Studie.</p>
<p><strong>Was sich auf den ersten Blick nach einem echten Mehrwert f&#252;r diese Zielgruppe anh&#246;rt, st&#246;&#223;t in der Internetgemeinde jedoch eher auf Skepsis und sogar Ablehnung:</strong></p>
<p><em>&#8220;Das Problem ist einfach: W&#252;rde HP recht haben und gewisse Tendenzen<br />
anhand des kurzfristigen Verhaltens zuverl&#228;ssig voraussagen k&#246;nnen,<br />
so wird sich in Nullkommanix ein Mechanismus technisch oder<br />
organisatorisch implementieren lassen, der solches Verhalten in<br />
irgendeiner Weise simuliert oder provoziert.</p>
<p>Da es in der Werbebranche um gro&#223;es Geld geht, wird es jemand fr&#252;her<br />
oder sp&#228;ter missbrauchen und der Indikator wird nutzlos&#8221;</em>, stellt etwa Chrisbinich ganz pragmatisch fest.</p>
<p><strong>FrogmasterL sieht den Vorsto&#223; von HP so:</strong></p>
<p><em>&#8220;Und wieder k&#246;nnen wir die Heizung ein St&#252;ck herunterdrehen.<br />
Warum nicht einfach wie in den guten alten Zeiten kalkulieren?<br />
Nimm zwei Punkte, w&#228;hle sie so, dass Y2>Y1 ist. Erstelle daraus die<br />
Geradengleichung und Du hast Deine Prognose.<br />
OK, Spass beiseite.</p>
<p>Hier wird wieder mit einigem Aufwand versucht, Risiken absolut<br />
kalkulierbar zu machen. Was &#252;brigens eine der Ursachen der akutellen<br />
Krise ist: Verprochen wurde eine Rendite X zu einem Zeitpunkt Y.<br />
Weicht die Realiti&#228;t dreisterweise von der Prognose ab, geraten die<br />
Anleger in Panik und verfallen in einen Wutrausch.&#8221;</em>
</p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Stress: Killer Nr.1 in der Finanzkrise</title>
		<link>http://www.readers-edition.de/2008/12/30/stress-killer-nr1-in-der-finanzkrise/</link>
		<comments>http://www.readers-edition.de/2008/12/30/stress-killer-nr1-in-der-finanzkrise/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 30 Dec 2008 09:34:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rolf Ehlers</dc:creator>
		
	<category>Politik</category>
	<category>Wirtschaft</category>
	<category>Wissenschaft</category>
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		<description><![CDATA[Glaubt man der gro&#223;en Mehrheit der deutschen Medien, sind wir Deutsche trotz immer noch weltmeisterlicher Exporte Weltmeister im Jammern &#252;ber unsere wirtschaftlichen und sozialen Verh&#228;ltnisse. Wir sollen besser aufh&#246;ren zu klagen und uns vielmehr dar&#252;ber freuen, dass wir in Deutschland und Europa wie es gerade unser Bundesprediger K&#246;hler gesagt hat, auch in der Wirtschaftskrise angeblich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<dl class="bild">
<dt><img src="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2008/12/STRESS1.jpg" /></dt>
<dd>STRESS! Photo: Rike/ Sternschnuppe1<br />
via pixelio.de</dd>
</dl>
<p>Glaubt man der gro&#223;en Mehrheit der deutschen Medien, sind wir Deutsche trotz immer noch weltmeisterlicher Exporte Weltmeister im Jammern &#252;ber unsere wirtschaftlichen und sozialen Verh&#228;ltnisse. Wir sollen besser aufh&#246;ren zu klagen und uns vielmehr dar&#252;ber freuen, dass wir in Deutschland und Europa wie es gerade unser Bundesprediger K&#246;hler gesagt hat, auch in der Wirtschaftskrise <a href="http://www.bundespraesident.de/">angeblich „gut aufgestellt“ sind</a></p>
<p><strong>Stressfaktor Weltwirtschaftskrise</strong></p>
<p>Die Fernsehanstalten bringen zum Jahresschluss wiederholt Statements von angeblich ganz zuf&#228;llig angesprochenen Passanten, die durchweg erkl&#228;ren, sie s&#228;hen nichts von einer Krise. Ihnen ginge es doch gut. Unsere Regierung redet schon seit Beginn der Finanzkrise die Wirtschaft st&#228;ndig stark, weil sie meint, das <a href="http://www.focus.de/finanzen/news/konjunktur-steinbrueck-geisselt-krisengerede_aid_330269.html">„Krisengerede“ mache die Sache erst wirklich schlimm</a>.</p>
<p>Ob solche Beschwichtigungen tats&#228;chlich helfen, den B&#252;rgern die Sorgen &#252;ber die un&#252;bersehbar hereinbrechenden Folgen des gewaltigen Wirtschaftseinbruchs zu nehmen?</p>
<p>Wer die Gesamtsituation kennt, f&#252;hlt sich allenfalls durch diese absichtsvollen Besch&#246;nigungen zus&#228;tzlich genervt.</p>
<p>Wer auf die T&#228;uschungen hereinf&#228;llt und glaubt, dasses wirklich hilft, den Kopf in den Sand zu stecken, wird umso erschrockener sein, wenn er am Ende das Ausma&#223; der Sch&#228;den vor Augen hat. Unter dem Strich bleibt die Summe allen &#220;bels eben doch gleich. Stressfaktoren kann man nicht einfach wegl&#252;gen.</p>
<p>Unter dem „Wort des Jahres 2008“, der Finanzkrise, versammeln sich Schreckensszenarien, wonach unsere Gemeinschaft und fast alle Einzelnen auf das &#220;belste gebeutelt werden, soweit das nicht schon l&#228;ngst eingetreten ist oder sich gerade vollzieht. Der Zusammenbruch der Banken aufgrund der Gier ihrer Vorst&#228;nde und Aufsichtsr&#228;te, die Entreicherung von Bund, L&#228;ndern, Gemeinden und zahlloser &#246;ffentlicher und privater Einrichtungen und  Unternehmen auf Grund ihrer Teilnahme an den verantwortungslosen Gewinnspielen der Investmentbanker, die wilde Verschleuderung der letzten &#246;ffentlichen Reserven und der Zukunftschancen der kommenden Generationen im Versuch, die sinnentleerte Konsumwelt zu konservieren, die „Rettung“ des korrupten Finanzsystems auf Kosten der f&#252;r all das b&#252;rgenden B&#252;rger, die Leere der Staatskassen angesichts notwendiger teurer Reformen und die dem allen zwangsl&#228;ufig folgenden Einbr&#252;che im privaten Bereich wie Minderverdienst, Erh&#246;hung der Abgaben und Kosten, Verlust der Kaufkraft, Verlust des Arbeitsplatzes und der wirtschaftlichen Sicherheit generell - all dies sind Stressausl&#246;ser, die zum viel beklagten allgemein stressigen Leben in der modernen Industriegesellschaft noch hinzukommen.</p>
<p><strong>Stressfaktoren l&#246;sen den Stress aus</strong></p>
<p>In der Medizin gilt der „normale“ Stress, ausgel&#246;st durch pers&#246;nliches Ungl&#252;ck, Beziehungskrisen, Geldmangel, Zeitdruck, Informations- und Reiz&#252;berflutung, &#220;berforderung und Benachteiligung bereits als eine Haupttodesursache, besonders durch die stressbedingten letalen Herz- und Kreislauferkrankungen. Sozialer Abstieg, wie er durch dieSchr&#246;derschen &#8220;Reformen&#8221; eingeleitet wurde, hat das <a href="http://www.shortnews.de/start.cfm?id=714943">bereits verschlimmert</a>.</p>
<p><a href="http://www.shortnews.de/start.cfm?id=714943"><br />
</a></p>
<p>Und wie geht es weiter in 2009 und den Folgejahren? In dieser schweren Situation ist dasbessere Verst&#228;ndnis von dem, was Stress ausl&#246;st, was er ist und wie man ihm besser begegnet als bisher, einfach unverzichtbar. Es lohnt sich wirklich, sich damit zu befassen. Ich werde n&#228;mlich nachfolgend aufzeigen, dass wir wenn wir schon fast ohnm&#228;chtig sind, was die den Stress ausl&#246;senden Faktoren angeht, wir aber beste bisher kaum genutzte M&#246;glichkeiten haben, den Stress zu bew&#228;ltigen und die von ihm f&#252;r unsere Existenz ausgehenden Gefahren zu b&#228;ndigen.</p>
<p>Wir tun auch gut daran, uns klar zu machen, dass der Stress selbst gar nichts Ungutes ist. Der Stress ist n&#228;mlich nur ein durch bestimmte Ausl&#246;ser hergestellter besonderer Zustand von K&#246;rper, Geist und Gem&#252;t, der uns besonders entschlossen handeln l&#228;sst. Unsere evolution&#228;ren Vorl&#228;ufer &#252;berlebten Gefahrensituationen besser als weniger erfolgreiche Arten, weil sie bei drohender Gefahr Stresshormone, insbesondere <u>Adrenalin, Kortisol und CDH</u>, aussch&#252;tten lernten, die Kopf und K&#246;rper regelrecht elektrisierten. Die Aufmerksamkeit und die Reaktionsbereitschaft wurden m&#228;chtig gesteigert. Zeitgleich schnellten die Blutzucker- und Fettwerte in die H&#246;he. Damit waren beste Voraussetzungen gegeben, die <a href="http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/81/69/dokument.html?titel=%22Ein+langsam+wirkendes+Gift%22&#038;id=14799618&#038;top=SPIEGEL&#038;suchbegriff=zucker&#038;quellen=&#038;qcrubrik=natur">Gefahr schlagartig zu besiegen</a> oder ihr durch schnelle Flucht zu entkommen.</p>
<p><strong>Der Wegfall der Stressfaktoren sollte den Stress eigentlich beenden</strong></p>
<p>Beim gesunden Menschen, der &#252;ber die volle Funktion aller seiner M&#246;glichkeiten verf&#252;gt, f&#252;hrt das Ende der Stressfaktoren „automatisch“ dazu, dass dieser Ausnahmezustand sich aufl&#246;st. Das hei&#223;t, dass die Stresshormone abgebaut werden und der Mensch wieder „normal“ reagiert. Das Wissen darum, wie es zur Wiederaufnahme der Stresshormone in den K&#246;rper kommt, ist f&#252;r uns alle von gr&#246;&#223;tem Wert. Denn an dieses Wissen schlie&#223;t sich die realistische M&#246;glichkeit an, die Stresssituation auch dann zu beenden, wenn sich die den Stress urspr&#252;nglich ausl&#246;senden Momente gar nicht ge&#228;ndert haben.</p>
<p>Zun&#228;chst aber zum Grund f&#252;r die Beseitigung des Stresses. Aufgebaut wird er durch die Wirkung der zentralnerv&#246;sen Stresshormone. Und nur durch ein Hormon mit der Wirkung ihrer Eind&#228;mmung und Beseitigung endet ihre Wirkung. Also: nicht das Ende der Gefahr, der Bedrohung oder der nachteiligen Situation f&#252;hrt zum Stressabbau, sondern allein die Aussch&#252;ttung des Hormons, das die Stresshormone z&#252;gelt. Dies kann allein das Neurohormon Serotonin, das „Hormone of the Nineties“, das als Kontrollhormon eine absolute Schl&#252;sselstellung im ganzen zentralnerv&#246;sen Hormongeschehen einnimmt. Neben seinen vielen unverzichtbaren anderen Funktionen zur Kontrolle von Essen, Wachen, Schlafen, Schmerz, Temperatur, Impuls, Sexualit&#228;t, Sucht und Suizidalit&#228;t ist Serotonin auch das einzige Anti-Stress-Hormon. Kein anderes Hormon und auch sonst keine Einrichtung in unserem K&#246;rper oder Kopf kann die sog. Stresskaskade unterbinden, die durch das <a href="http://www.familycare-netzwerk.de/uploads/media/HP-Teil_3.pdf">wechselseitige Aufschaukeln der Stresshormone entsteht</a> (PDF).</p>
<p>Die missliche Folge dieser Situation ist, dass beim Fehlen des allzu oft im Gehirnwasser knappen Steuerstoffes Serotonin die Ausnahmesituation Stress einfach bestehen bleibt, obwohl die Gr&#252;nde f&#252;r seine Entstehung l&#228;ngst entfallen sind oder der Mensch l&#228;ngst rational begriffen hat, dass ihm keine Gefahr mehr droht. Durch den st&#228;ndig anhaltenden Druck schaltet der Organismus um auf Daueralarm. Blutdruck, Blutzucker und Blutfette sind st&#228;ndig &#252;berh&#246;ht, was das Risiko f&#252;r Herz- und Kreislauferkrankungen f&#246;rdert. Kortisol, das nicht abgebaut wird, schw&#228;cht das Immunsystem und beg&#252;nstigt die Knochenentkalkung (Osteoporose).</p>
<p><strong>Beendigung von Stress ohne Behebung der Stressfaktoren</strong></p>
<p>Der Umstand, dass unsere physiologische Beschaffenheit das Wirken von Neurohormonenzur Voraussetzung f&#252;r die Herstellung und Beendigung von psychisch-k&#246;rperlichen Zust&#228;nden voraussetzt, hat die f&#252;r uns g&#252;nstige Folge, dass nach Lage der Dinge allein die Aussch&#252;ttung von Hormonen ohne &#196;nderung der die Herstellung eines Zustandes urspr&#252;nglich verursachenden &#228;u&#223;eren Umst&#228;nde zu einer Aufhebung dieses Zustandes f&#252;hren kann. Konkret bedeutet dies im hiesigen Zusammenhang, dass selbst dann wenn uns dasSchicksal so unerbittlich trifft wie Gottes Pr&#252;fungen den armen Hiob wir infolge der Aussch&#252;ttung des Anti-Stress-Hormons Serotonin den besonderen Stresszustand verlassen k&#246;nnen. Es bedeutet auch, dass ungute Ereignisse, die leicht als Stressoren h&#228;tten dienen und K&#246;rper und Geist h&#228;tten in Aufruhr versetzen k&#246;nnen, bei guter Verf&#252;gbarkeit &#252;ber das zerebrale Serotonin besonnen gemeistert werden.</p>
<p>Wer im B&#252;ro gemobbt wird, wen bei Feierabend gleich eine keifende Ehefrau an der Haust&#252;r empf&#228;ngt, wem die Kontrolle &#252;ber die drogenabh&#228;ngigen Kinder entgleiten, wer in Kurzarbeit geschickt wird und t&#228;glich erlebt, wie unsere Politik an jeder m&#246;glichen grundlegenden Verbesserung der Verh&#228;ltnisse im Lande vorbeisegelt, der muss sich nicht verzweifelt die Haare raufen. Bei Bestehen der neurohormonellen Balance, mit der wir von Natur aus gesegnet sind, k&#246;nnen wir ohne k&#252;nstliche Erregung die Relativit&#228;t der Ereignisse konstatieren und uns im Rahmen unserer M&#246;glichkeiten f&#252;r Besserungen einsetzen.</p>
<p>Ein Problem ist, dass gerade das Schl&#252;sselhormon Serotonin nur unter besonderen Bedingungen im Kopf entsteht. Wenn wir dem nachgehen und uns wenigstens zum Teil wieder mit <u>nativer Nahrung</u> versorgen, haben wir allerdings den Schl&#252;ssel f&#252;r ein Leben mit jederzeitiger Kontrolle des Stresses in der Hand. Der Weg f&#252;hrt uns zur&#252;ck zu einem Leben wie es die mit uns artgem&#228;&#223; verwandten Pflanzenfresser in freier Natur – etwa die Menschenaffen - f&#252;hren, die auch Stresszust&#228;nde kennen, aber durchweg durch ihre Ern&#228;hrung so versorgt sind, dass ihnen das <a href="http://www.readers-edition.de/2008/04/17/native-nahrung-fuer-bessere-versorgung-und-gegen-den-hunger-in-der-welt">Anti-Stresshormon Serotonin praktisch niemals fehlt</a>.</p>
<p>Da alles und jedes menschliche Gef&#252;hl und jede Aktion unter Begleitung der Neurohormone stattfindet, ist die Entstehung der Weltfinanzkrise notwendigerweise ein Produkt der hormonellen Fehlsteuerung bei den Beteiligten, wie ich k&#252;rzlich hier dargelegt habe.<br />
S. http://www.readers-edition.de/2008/11/25/weltfinanzkrise-die-hormone-sind-schuld</p>
<p>Der richtige Einsatz der Hormone ist nun aber der einzig geeignete Weg f&#252;r jeden pers&#246;nlich Betroffenen, um mit den entstandenen Problemen gut fertig zu werden.</p>
<p><strong>Richtige Ern&#228;hrung ist die L&#246;sung, nicht Bewegung oder Medizin</strong></p>
<p>Die in der Endokrinologie vollst&#228;ndig gesicherten Erkenntnisse &#252;ber die Funktion und Bedeutung der Neurohormone als der unverzichtbaren Werkzeuge f&#252;r die Umsetzung allen F&#252;hlens und Handelns ist weder in der deutschen Allgemeinheit noch bei den &#196;rzten verbreitet. Die Pharmazie will aus verst&#228;ndlichen Gr&#252;nden nichts dar&#252;ber wissen. Daher versteht sich, dass das „gr&#246;&#223;te Gesundheitsmagazin im deutschsprachigen Raum“, die Apotheken-Umschau,aktuell in einem gro&#223;em Bericht &#252;ber den Stress Bewegung und k&#228;ufliche Kr&#228;uteressenzen, die beide keine sichere Auswirkung auf die Hormonlage haben, <a href="http://www.gesundheitpro.de/Stress-Vom-Lebensretter-zum-Stress-A081223MAIRQ105111.html">als probate Mittel zur Bew&#228;ltigung von Stress vorschl&#228;gt</a>.</p>
<p>Bestimmt sind gestresste Menschen ja auch besser manipulierbar!</p>
<p>Photo/Autor: Rike/ Sternschnuppe1 via <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=306665&#038;mode=search">pixelio.de</a>
</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Gott oder Darwin - wer schuf den Menschen?</title>
		<link>http://www.readers-edition.de/2008/12/29/gott-oder-darwin-wer-schuf-den-menschen/</link>
		<comments>http://www.readers-edition.de/2008/12/29/gott-oder-darwin-wer-schuf-den-menschen/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 29 Dec 2008 09:01:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Rolf Froböse</dc:creator>
		
	<category>Kultur</category>
	<category>Wissenschaft</category>
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		<description><![CDATA[Liefert die Evolutionstheorie einen ganzheitlichen Ansatz zur Beschreibung der Welt, der Religion im Prinzip &#252;berfl&#252;ssig macht? Oder haben die Kreationisten Recht, wenn sie die Evolution als reinen Sch&#246;pfungsakt betrachten, der die Naturwissenschaft ersetzen kann.
„Beide Positionen sind so nicht haltbar“, meint der Biologe und Theologe Professor Dr. Ulrich L&#252;ke vom Lehrstuhl f&#252;r Systematische Theologie an der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Liefert die Evolutionstheorie einen ganzheitlichen Ansatz zur Beschreibung der Welt, der Religion im Prinzip &#252;berfl&#252;ssig macht? Oder haben die Kreationisten Recht, wenn sie die Evolution als reinen Sch&#246;pfungsakt betrachten, der die Naturwissenschaft ersetzen kann.</p>
<p>„Beide Positionen sind so nicht haltbar“, meint der Biologe und Theologe Professor Dr. Ulrich L&#252;ke vom Lehrstuhl f&#252;r Systematische Theologie an der RWTH Aachen. L&#252;ke gibt er unter anderem zu bedenken, dass der Mensch dem Evolutionsprozess nicht als objektiver Beobachter gegen&#252;berstehe.Vielmehr sei der Mensch in diesen Prozess involviert und k&#246;nne ihn ohne die Kenntnis des Anfangs und des Endes nur in Ans&#228;tzen verstehen. Radikale Anh&#228;nger der Evolutionstheorie und Kreationisten verglich er symbolisch mit Stabhochspringern, die unterhalb der Latte durchspringen, ohne sie zu erreichen.</p>
<p>Die Physiker Prof. Friedemar Kuchar und Dr. Roland Brunner von der &#246;sterreichischen Montanuniversit&#228;t Leoben sind jetzt zu einem neuen Anlauf im Stabhochsprung angetreten. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die fundamentalen Prinzipien der Evolution auch f&#252;r die kleinsten Teilchen der Materie gelten. In enger Zusammenarbeit mit Kollegen von der Arizona State University in den USA untersuchten sie so genannte Quantenpunkte von Halbleitern. Quantenpunkte sind kleinste Nanostrukturen, f&#252;r die auf Grund ihrer geringen Gr&#246;&#223;e nicht die Gesetze der klassischen Physik, sondern vielmehr die Regeln der Quantenmechanik gelten.</p>
<p>Bei der Messung der Energiewerte der Quantenpunkt stie&#223;en sie auf einen seltsamen Effekt. Werden diese Zust&#228;nde der Elektronen gemessen, dann vermischen sich die Zust&#228;nde der Elektronen zum Teil miteinander, aber auch mit jenen der Umgebung. Das hat wiederum zur Folge, dass sie energetisch „verschmiert“ werden. Einige der urspr&#252;nglichen Zust&#228;nde erwiesen sich jedoch als robust und behielten ihre Energiewerte. Diese so genannten „Pointer-Zust&#228;nde“ konnten bisher f&#252;r einzelne Quantenpunkte nachgewiesen werden.</p>
<p>Das Verbl&#252;ffende: Wie das Team berichtet, ist es gelungen, deutliche Hinweise auf einen Quanten-Darwinismus zu finden. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass bei einer Wechselwirkung mit der Umgebung nur die „st&#228;rksten“ Zust&#228;nde, eben die Pointer-Zust&#228;nde, stabil bleiben und diese die Eigenschaft haben, „Nachwuchs“ zu produzieren. Zum Nachweis dieses Postulats berechnete die Gruppe um Dr. Brunner und Prof. Kuchar die Aufenthaltswahrscheinlichkeiten der Elektronen im System mehrerer Quantenpunkte in Serie.</p>
<p>Wie die Wissenschaftler weiter berichten, scheint es bereits auf Quantenebene eine Art von Beziehungsleben zu geben. Dieser Quanten-Darwinismus soll wiederum f&#252;r die Selektion und Fortpflanzung quantenmechanischer Zust&#228;nde verantwortlich sein, die wiederum erst die Wahrnehmung unserer Realit&#228;t erm&#246;glichen. Das Postulat eines Quanten-Darwinismus ist nicht ganz neu. Als geistiger Vater gilt der US-Forscher Wojciech H. Zurek vom Los Alamos Laboratory in New Mexico, der als erster diese Idee hatte. Der gelungene experimentelle Nachweis dieses Ph&#228;nomens unterstreicht wieder einmal in aller Deutlichkeit, die Bedeutung von Vision&#228;ren in der Wissenschaft.
</p>
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		<title>Amt im Wandel - 30 Jahre Einwanderungspolitik</title>
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		<pubDate>Sun, 28 Dec 2008 12:00:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Franziska Sylla</dc:creator>
		
	<category>Politik</category>
	<category>Kultur</category>
	<category>Wissenschaft</category>
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		<description><![CDATA[30 Jahre Beauftragte der Bundesregierung f&#252;r Migration, Fl&#252;chtlinge und IntegrationVon Franziska Sylla
Berlin, 17./21./24./25.12.2008. Noch nie hat ein Bundeskanzler ein Jubil&#228;um des Migrationsamtes besucht. Zum drei&#223;igsten Bestehen hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch, den 17. Dezember 2008, sogar die Festrede im Kanzleramt vor &#252;ber zweihundert geladenen G&#228;sten. Raum einnehmend prangten hinter ihr die &#252;ppigen, wei&#223;en Buchstaben [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a title="Klicken f&#252;r gro&#223;es Bild..." href="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2008/12/integrationsgipfelgruppemmb.gif"><br />
<dl class="bild">
<dt><img src="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2008/12/integkl.JPG" /></dt>
<dd>Kanzlerin Angela Merkel mit Integrationsministerin Maria B&#246;hmer (CDU/CSU) mit Migrationsvertretern und Akteuren aus Kultur und Medien. (Foto: Franziska Sylla) [Klicken f&#252;r gro&#223;es Bild]</dd>
</dl>
<p></a>30 Jahre Beauftragte der Bundesregierung f&#252;r Migration, Fl&#252;chtlinge und Integration<a href="http://demokratie-spiegel.de/redaktion/syllanews/index.html">Von Franziska Sylla</a></p>
<p>Berlin, 17./21./24./25.12.2008. Noch nie hat ein Bundeskanzler ein Jubil&#228;um des Migrationsamtes besucht. Zum drei&#223;igsten Bestehen hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch, den 17. Dezember 2008, sogar die Festrede im Kanzleramt vor &#252;ber zweihundert geladenen G&#228;sten. Raum einnehmend prangten hinter ihr die &#252;ppigen, wei&#223;en Buchstaben von der hellblauen Wand im Infosaal: „Ein Amt im Wandel“.</p>
<p>Eine Musikergruppe des Internationalen Ensembles „Quanela“ stimmte auf den Festakt ein: Sechs Minuten lang, bis vier vor zw&#246;lf. „Gut gew&#252;rzt“ und daher „passt der Name „Zimt“, wird Integrationsministerin Maria B&#246;hmer (CDU) sp&#228;ter sagen. Ein Handy klingelte melodisch in der unerwarteten Pause, dann noch eines. Um zw&#246;lf Uhr trat Maria B&#246;hmer im hellen Jackett und gut geschminkt ans extra aufgebaute Rednerpult.</p>
<p>Die Aufgaben der amtierenden Beauftragten der Bundesregierung f&#252;r Migration, Fl&#252;chtlinge und Integration wurden seit ihrem Amtsantritt 2005 erstmals dem Bundeskanzleramt zugeordnet und Maria B&#246;hmer bekam die Stelle einer Staatsministerin und den st&#228;ndigen Zugang zum Bundeskabinett. Diese institutionelle Aufwertung war neu, neu war auch, dass die Regierungsbeamten &#252;berhaupt den Einsch&#228;tzungen und Ma&#223;nahmekonzepten, der eigens berufenen Integrationsbeauftragten sogleich Geh&#246;r schenkten und tatkr&#228;ftig, ja, selbstverst&#228;ndlich und Ministerien &#252;bergreifend unterst&#252;tzen.</p>
<p>Maria B&#246;hmer blickte vom Podium frontal zur TV-Presseb&#252;hne und damit auch immer wieder zur Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die in der ersten Reihe vor ihr sa&#223;. Im Redemanuskript steht auf Seite eins das Wort „leidenschaftlich“, und, wie &#252;blich, „gilt das gesprochene Wort“. Wann stand dieses emotional anmutende Wort zuletzt in einer Rede aus dem Mitarbeiterstab f&#252;r Ausl&#228;nderpolitik und Migration? War und sind es nicht gerade die Emotionen, die zu vielen negativen Integrationskarrieren f&#252;hrten und Missverst&#228;ndnisse erzeugten? Papierseiten raschelten, Ute Ugowsky, die Assistentin von Maria B&#246;hmer, las interessiert in einer Zeitung. War die Rede ihrer Chefin so langweilig? Nein. Sie las die Sonderbeilage der gr&#246;&#223;ten und auch in Deutschland einflussreichsten, t&#252;rkischen Boulevardzeitung „H&#252;rriyet, die dieses Mal zweisprachig erschien, eine Seite auf t&#252;rkisch und eine Seite auf deutsch“, sagte Integrationsministerin B&#246;hmer. Einige t&#252;rkische Journalisten suchen l&#228;chelnd den Blickkontakt zu ihren deutschen Kollegen und alle Besucher lauschten der Rede &#252;ber die R&#252;ckschau mehr gewordener Gemeinsamkeiten, der Saal war jedenfalls still. Der Tag, der mit einem Stehempfang ausklingen sollte, beleuchte laut Skript die klassischen Fragen: Was hat sich ver&#228;ndert? Was muss sich ver&#228;ndern? Und welche Kontinuit&#228;ten zeichnen das Amt aus?</p>
<p>In den Jahren von 1955 bis 1973 warb die junge Bundesrepublik Deutschland „mit Hilfe der Bundesanstalt f&#252;r Arbeit ausl&#228;ndische Arbeitskr&#228;fte zur Besch&#228;ftigung“ an, hei&#223;t es in der Brosch&#252;re zu 30 Jahre Amt im Wandel von der Bundesregierung, Stand Dezember 2008. 1973 sei ein Anwerbestopp beschlossen worden, die Zahl der ausl&#228;ndischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer habe damals 2,6 Millionen betragen, „die der ausl&#228;ndischen Wohnbev&#246;lkerung insgesamt rund 4 Millionen“. Aus befristeten Besch&#228;ftigungen wurden Daueraufenthalte, Familienangeh&#246;rige zogen nach, neue Familien gr&#252;ndeten sich, doch eine begleitende Einwanderungspolitik gab es nicht.</p>
<p>Die Zugewanderten mussten sich &#252;berwiegend selbst helfen, die Einheimischen waren in ihren Lebenswelten allein gelassen, die strukturellen Ver&#228;nderungen der aufeinandertreffenden Kulturen schaffte Schwierigkeiten bei der Wohnungs- und Gesundheitsvorsorge, „in den Schulen und im Verh&#228;ltnis zwischen Deutschen und Ausl&#228;ndern“, die zu einem Konfliktpotential heran wuchsen. In den 1970er Jahren forderte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dieter Hussing, einen Ausl&#228;nderbeauftragten zu berufen, doch erst 1978 begannen die T&#228;tigkeiten des ersten Ausl&#228;nderbeauftragten der Bundesregierung, nachdem das Bundeskabinett offiziell die Integrationsprobleme anerkannt hatte. Der erste Mitarbeiter in dieser Position, Heinz K&#252;hn, war fr&#252;her Ministerpr&#228;sident des Landes Nordrhein-Westfalen. Er arbeitete unter dem Amtstitel: Beauftragter zur F&#246;rderung der Integration der ausl&#228;ndischen Arbeitnehmer und ihren Familienangeh&#246;rigen und war dem damaligen Ministerium f&#252;r Arbeit und Sozialordnung zugeordnet. Heinz K&#252;hn verf&#252;gte &#252;ber zwei Mitarbeiter, und sollte sich ressort&#252;bergreifend mit der Lage der ausl&#228;ndischen Bev&#246;lkerung auseinandersetzen und L&#246;sungsvorschl&#228;ge erarbeiten, hei&#223;t es auf Seite 9 der Brosch&#252;re Amt im Wandel. Der Blick war bis 1978 auf die arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkte beschr&#228;nkt, K&#252;hns Team sollte alle Lebensbereiche ber&#252;cksichtigen, die Mitwirkung der B&#252;rger mit Migrationshintergrund, wie sie heute hei&#223;en, gewinnen, sowie den einheimischen B&#252;rgern die Integration bewusst machen.</p>
<p><strong>Der erste Migrationsbeauftragte</strong> Heinz K&#252;hn hatte keinen Einfluss auf die unmittelbare Gesetzgebung und Verwaltung, er unterst&#252;tzte lediglich das Arbeitsministerium. Nach zehn Monaten legte K&#252;hn das Amt im Dezember 1979 wieder ab. In seinem Memorandum „Stand und Weiterentwicklung der Integration der ausl&#228;ndischen Arbeitnehmer und ihrer Familien in der Bundesrepublik Deutschland“ beschrieb er die Arbeitnehmeranwerbung als eine unumkehrbare Entwicklung, die Einwanderung ein Fakt, der akzeptiert werden m&#252;sse. Er sah Angebotsdefizite zur vorbehaltlosen und dauerhaften Integration. Heinz K&#252;hn forderte die Einb&#252;rgerung in Deutschland geborener Kinder und ein kommunales Wahlrecht f&#252;r Ausl&#228;nder mit l&#228;ngerem Aufenthalt. Ein Gro&#223;teil seines Memorandums beinhalte Ma&#223;nahmevorschl&#228;ge f&#252;r Kinderg&#228;rten, Schulen und berufliche Ausbildungsst&#228;tten. Heinz K&#252;hn wurde 1980 Europaabgeordneter.</p>
<p>Maria B&#246;hmer sagte am 17. Dezember 2008 im Kanzleramt, es gebe „drei Dinge, die allen Beauftragten ein Anliegen waren und sind: Die Integration der Zuwanderer“ als eine politische Schl&#252;sselaufgabe zu verstehen, „sich einzelner Schicksale“ anzunehmen sowie die Bildung und Ausbildung „der Kinder und Jugendlichen“. Und dann sagte sie den Satz mit dem emotionalen Wort: Die Ausl&#228;nder- und heutigen Integrationsbeauftragten waren und sind „dem Thema leidenschaftlich verbunden“, darauf konnten und k&#246;nnen sich alle verlassen.</p>
<p><strong>Die zweite Integrationsbeauftragte</strong> Liselotte Funcke &#252;bernahm 1980 das Amt und &#252;bte es zehn Jahre aus, wobei auch sie weniger gestalten konnte, als sie wollte. Die Arbeit der ehemaligen Vizepr&#228;sidentin des Deutschen Bundestages und Landeswirtschaftsministerin von Nordrhein-Westfalen, wurde zum einen blockiert, weil die Regierungsmitarbeiter nicht wahrhaben wollten, dass Deutschland ein Einwanderungsland wurde und eine Integrationspolitik ben&#246;tigte. Zum anderen wurde die Bed&#252;rfnisse der Migrantenfamilien nach einer abgesicherten Existenz ignoriert - die Voraussetzung f&#252;r eine gelingende Integration - dazu geh&#246;re auch, die Begabungen der Migranten anzuerkennen. Die heute 90-j&#228;hrige Lieselotte Funcke legte das Amt 1991 in einer Auseinandersetzung mit der Regierung nieder, hei&#223;t es in der Brosch&#252;re, deren Text unter anderem auf Beitr&#228;ge von Bernd Gei&#223;, langj&#228;hriger Referatsleiter im Arbeiterstab der Ausl&#228;nderbeauftragten aus dem Jahre 2001 basieren².</p>
<p>Bei ihrem R&#252;cktritt forderte Lieselotte Funcke, „die Querschnittsaufgabe Integration mit einem Sitz im Kabinett zu verbinden“, sagte Maria B&#246;hmer bei ihrer Rede im Kanzleramt am 17. Dezember. Erst Bundeskanzlerin Angela Merkel entschied 2005, die Integrationsbeauftragte an den Kabinettstisch Platz nehmen zu lassen. Funckes Erfahrungsberichte und Prognosen zur demografischen Entwicklung „lesen sich heute wie eine Begr&#252;ndung“ eines Einsatzes der Kommission „Zuwanderung“ durch den Bundesinnenminister im Jahr 2000, steht in der Jubil&#228;umsausgabe Amt im Wandel. Funcke hatte den CIVIS-Rundfunk- und Fernsehpreis f&#252;r Verst&#228;ndigung mit Ausl&#228;ndern, welcher heute unter dem Motto „Leben in der kulturellen Vielfalt – Achtung des anderen, veranstaltet wird, mit dem &#246;ffentlich-rechtlichen Fernsehen, der Freudenberg Stiftung und der Ausl&#228;nderbeauftragten der Regierung ins Leben gerufen. Damit bekam die Ausl&#228;nderdebatte mehr &#246;ffentliche Aufmerksamkeit. Der CIVIS-Preis ist heute ein europ&#228;ischer Medienpreis f&#252;r Integration und kulturelle Vielfalt.</p>
<p>In der zweiten H&#228;lfte der 1980er Jahre wurde die Zusammenarbeit zwischen der Ausl&#228;nderbeauftragten mit den Wohlfahrtsverb&#228;nden und dem Deutschen Gewerkschaftsbund ,DGB, enger. Es wurden ein- bis zweimal j&#228;hrlich Treffen organisiert, bei denen die Beauftragte des Bundes mit denen der L&#228;nder- und Kommunalvertreter zusammen kamen, die heute ein Netzwerk der Information und Zusammenarbeit f&#252;r alle Ausl&#228;nderbeauftragten bildeten. In einem Schreiben vom 17. Juni 1991 an Bundeskanzler Helmut Kohl, in dem sie ihr Amt als Beauftragte zur&#252;ck gab, wies Funcke daraufhin, dass es beunruhigende und entt&#228;uschende Entwicklungen in der Bev&#246;lkerung zwischen Ausl&#228;ndern und Deutschen gebe. Die Fremdenfeindlichkeit in den f&#252;nf neuen Bundesl&#228;ndern verst&#228;rkten dieses Signal; Die mangelnde Unterst&#252;tzung von seitens der Regierung, die unzul&#228;ngliche Amtsausstattung und die Konzeptlosigkeit der Regierung waren ihre R&#252;cktrittsgr&#252;nde. In dem „Bericht der Beauftragten der Bundesregierung f&#252;r die Integration der ausl&#228;ndischen Arbeitnehmer und ihrer Familienangeh&#246;rigen“ stellte sie fest, die zuk&#252;nftige Wanderbewegung w&#252;rde von S&#252;den nach Norden und von Osten nach Westen verlaufen, Gesetze und Abweisungen an den Grenzen w&#252;rden weder menschlich noch politisch gestoppt werden k&#246;nnen. Es fehlten jedoch Konzepte, weil die Regierung unter Helmut Kohl betonte, Deutschland sei kein Einwanderungsland, da es keine offenen Grenzen gebe. Funcke erkl&#228;rte, dass die Einwanderung nach Deutschland ungeregelt und nicht kontingentiert erfolge, diese Tatsache l&#246;se Angst in der deutschen Bev&#246;lkerung aus. Die Politiker formulierte aber keine klaren Ziele (Brosch&#252;re: Amt im Wandel, Seite 15). Sie schlug eine interministrielle Beratungsabteilung vor, die im Kabinett vertreten sein und sich allen Zuwanderungs- und Integrationsproblemen zuwenden sollte. Sie empfahl eine st&#228;ndige Anlaufstelle f&#252;r Migration und Integration und eine europ&#228;ische Migrationspolitik.</p>
<p>Einige Forderungen von Lieselotte Funcke wurden von der dritten Amtstr&#228;gerin, Cornelia Schmalz-Jacobsen, umgesetzt. Schmalz-Jacobsen war vorher Bundestagsabgeordnete und davor Senatorin f&#252;r Jugend und Familie in Berlin. Mit Kabinettbeschluss vom 14. November 1991 wurde sie zust&#228;ndig f&#252;r die ausl&#228;ndischen Arbeitnehmer, die &#252;brigen Ausl&#228;nder, die sich aufgrund einer Aufenthaltserlaubnis, einer Aufenthaltsberechtigung einer bilateralen staatlichen Vereinbarung oder einer EG-rechtlichen Vereinbarung in Deutschland aufhielten. Damit wurde ihr Aufgabenbereich erweitert, die Asylbewerber und Fl&#252;chtlinge blieben jedoch au&#223;en vor. Die Beauftragte sollte die Regierungsarbeit unterst&#252;tzen und Anregungen f&#252;r eine europ&#228;ische Ausl&#228;nderpolitik entwickeln.</p>
<p>Cornelia Schmalz-Jacobsen war „in einer Zeit schrecklicher fremdenfeindlicher Anschl&#228;ge“ ins Amt getreten, sagte Maria B&#246;hmer in ihrer Rede am 17. Dezember im Bundeskanzleramt, „dass sie nicht in die Vergangenheit angeh&#246;ren, hat der brutale Anschlag auf den Passauer vergangenes Wochenende gezeigt. Im Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus d&#252;rfen wir nicht nachlassen“.</p>
<p>Die Beauftragte Schmalz-Jacobsen sollte in den 1990er Jahren Ansprechpartnerin f&#252;r die Regierung sein, aber auch die Initiativen zur Integration auf L&#228;nder- und kommunaler Ebene sowie die gesellschaftlichen Gruppen deutscher und ausl&#228;ndischer Initiativen zusammen bringen. Die Mithilfe bei R&#252;ckf&#252;hrungen entfiel, daf&#252;r durfte Schmalz-Jacobsen an den Vorbereitungen von Gesetzen und Rechtsverordnungen mitarbeiten und wurde vermehrt in die Arbeitsbereiche miteinbezogen. F&#252;nf weitere Mitarbeiter wurden ihr zugestellt, die Ausstattung insgesamt verbessert und der Name 1992 des Amtes ge&#228;ndert und hie&#223; nun: Beauftragte der Bundesregierung f&#252;r die Belange der Ausl&#228;nder.</p>
<p>Au&#223;erdem wurde 1992 eine Au&#223;enstelle in Berlin eingerichtet, um die durch den Beitritt der DDR entstandenen Herausforderungen r&#228;umlich n&#228;her zu sein³. In den 1990er Jahren registrierte die Bundesrepublik laut Brosch&#252;re Amt im Wandel die h&#246;chste Zuwanderungsrate. 1992 und 1993 wurden die h&#228;ufigsten und gewaltt&#228;tigsten, fremdenfeindlichen Straftaten ver&#252;bt. Die teilweise sehr emotional gef&#252;hrte Ausl&#228;nderdebatte strebte ihrem H&#246;hepunkt zu. Hinzukamen die Fl&#252;chtlinge nach Deutschland aus den ehemaligen Jugoslawien. 1993 machte Schmalz-Jacobsen Erg&#228;nzungsvorschl&#228;ge zum Staatsangeh&#246;rigkeitsrecht, das die Einb&#252;rgerung f&#252;r in Deutschland geborener Kinder erleichtern sollte und eine Mehrstaatlichkeit hinnehme. Ihr erster Bericht: Jugend ohne deutschen Pass – Bestandsaufnahme und Perspektive f&#252;r ein Land, das Einwanderer braucht, Dezember 1992, enth&#228;lt Vorschl&#228;ge ihrer Vorg&#228;nger, die sie zu einem „Gesamtkonzept Zuwanderung“ zusammenfasste. Cornelia Schmalz-Jacobsen k&#252;mmerte sich um die &#214;ffentlichkeitsarbeit ihres Amtes zu den Themen: Ausl&#228;nderrecht, Einb&#252;rgerung, Kriminalit&#228;t, Fragen unbegleiteter minderj&#228;hriger Fl&#252;chtlinge, Gesundheit und Migration, interkulturelle &#214;ffnung sozialer Dienste, Diskriminierung von Ausl&#228;ndern in der Kfz-Versicherung, Doppelstaatsangeh&#246;rigkeit und Wehrpflicht, Bildungs- und Ausbildungssituation und der Erwerb der deutschen Sprache (Amt im Wandel, Seite 19).</p>
<p>Als Datengrundlage nahm sie die j&#228;hrlich ver&#246;ffentlichten „Daten und Fakten zur Ausl&#228;ndersituation“, ein Handbuch &#252;ber Migration und Integration in Zahlen“ (1997), ein mit der Fernuniversit&#228;t Hagen 1997 herausgegebenes Lexikon „Ethnische Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland“ sowie drei an den deutschen Bundestag erstatte Berichte &#252;ber die Lage der Ausl&#228;nderinnen und Ausl&#228;nder. 1995 organisierte sie ein Symposium zum 40. Jahrestag der Ausl&#228;nderanwerbung unter dem Titel: Heimat: Vom Gastarbeiter zum B&#252;rger. 1996 lud sie nach Bonn ein, um die unzul&#228;ngliche Situation von Drittstaatlern innerhalb der Europ&#228;ischen Union zu er&#246;rtern. In ihrer Schrift „Ausl&#228;nderbeauftragte anderer L&#228;nder“ stellte sie vergleichbare Aufgaben und Stellen vor, so dass ein Berufsbild f&#252;r kommunale Beauftragte entwickelt werden konnte.</p>
<p><strong>Im November 1997</strong> wurde die Position einer Ausl&#228;nderbeauftragten der Bundesregierung gesetzlich geregelt und ins Ausl&#228;ndergesetz aufgenommen (§§ 91a bis 91c). Der Amtstitel &#228;nderte sich in: Beauftragte der Bundesregierung f&#252;r Ausl&#228;nderfragen. Schmalz-Jacobsen Aufgabengebiet wurde erweitert, die Bundesministerien dazu verpflichtet, sie bei der Integrationsarbeit zu unterst&#252;tzen. Schmalz-Jacobsen unterbreitete nun der Bundesregierung Vorschl&#228;ge und Stellungnahmen, per Bundestagsbeschluss von 1993 erhielt sie alle zwei Jahre Berichterstatterrecht im Parlament. In ihrem Memorandum zum Ende ihrer Amtszeit: Integration – Grundvoraussetzung ohne Alternative, August 1998, bem&#228;ngelt sie, dass es keine klare Beschreibung von Mindestanforderungen f&#252;r die soziale Integration gebe. Dazu z&#228;hlte sie die Achtung der Normen und Werte, wie sie die Verfassung festschreibt: Menschenw&#252;rde, Gleichheit aller Menschen, Demokratie als politisches Ordnungsprinzip und Wahrung des Rechtssystems. Der Spracherwerb sei eine Integrationsleistung, die verlangt werden m&#252;sse, weil sie auch zur gr&#246;&#223;ten gesellschaftlichen Anerkennung f&#252;hre und sie letztlich bedinge.</p>
<p>Unter dem Stichwort „Europ&#228;isierung der Asyl-, Migrations- und Integrationspolitik“ forderte Schmalz-Jacobsen (Amt im Wandel, Seite 23) rechtliche Vereinbarungen zur Asylgew&#228;hrung und Fl&#252;chtlingsaufnahme. Der Prozess der Globalisierung und die gemeinsame europ&#228;ische Migrationspolitik machten deutlich, die Au&#223;engrenzen und die Immigranten w&#252;rden nicht aufzuhalten sein. Es sei notwendig, die Zuwanderung auf rechtliche Grundlagen zu stellen, die mit Hilfe flexibler Quotensysteme und Auswahlkriterien zu lenken und zu begrenzen seien. Sie forderte wie ihre Vorg&#228;nger ein Bundesamt f&#252;r</p>
<p>Migration und Integration und eine st&#228;ndige Expertenkommission, damit die Zuwanderungsregeln regelm&#228;&#223;ig angepasst werden k&#246;nnten. Die Beauftragte sah die Gefahr einer Zwei-Klassen-Ausl&#228;ndergesellschaft kommen, wenn die Rechte<br />
Drittstaatler, die Mehrheit der in Deutschland lebender Ausl&#228;nder, nicht verbessert w&#252;rden; Diese Ungleichbehandlung d&#252;rfe Deutschland nicht gleichg&#252;ltig sein. Mit Ende der 13. Legislaturperiode schied sie 1998 aus dem Amt. Cornelia Schmalz-Jacobsen habe gezeigt, „dass die Integrationsbeauftragten auch immer Vordenkerinnen sind“, sagte Integrationsministerin B&#246;hmer am 17.12.2008, in Berlin.</p>
<p><strong>Mit dem Regierungswechsel 1998</strong> trat Marie-Luise Beck das Amt an. Sie gestaltete Gesetzes&#228;nderungen mit, „insbesondere das Staatsangeh&#246;rigkeitsrecht und das Zuwanderungsgesetz“, sagte Maria B&#246;hmer, dessen erfolgreichster Bestandteil die Integrationskurse seien. „Eine halbe Million Menschen nimmt an den Kursen teil oder hat sie bereits abgeschlossen“, sagte Maria B&#246;hmer. Die Migrationsbeauftragte Marie-Luise Beck bekam unter der SPD-B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen, einen 20-k&#246;pfigen Mitarbeiterstab und zog im September 1999 von Bonn nach Berlin um. Im selben Jahr ver&#246;ffentlichte Beck den j&#228;hrlichen Migrationsbericht mit den Zu- und Abwanderungszahlen und trug dazu bei, die Zuwanderungsdebatte zu versachlichen. Weitere Ver&#246;ffentlichungen folgten zu den Themen Gesundheit, Bildung, Arbeit und zum Amtsende November 2005 zur Religion: Islam einb&#252;rgern – Auf dem Weg zur Anerkennung muslimischer Vertretungen in Deutschland.</p>
<p>In der Koalitionsvereinbarung zwischen SPD und B&#252;ndnis 90/Die Gr&#252;nen im Oktober 1998 wurde neunzehn Jahre nach Hein K&#252;hns Amtsantritt der unumkehrbare Zuwanderungsprozess anerkannt. Ins Zentrum der neuen Integrationspolitik sollte das Staatsangeh&#246;rigkeitsrecht stehen, Drittstaatenangeh&#246;rige sollten das Wahlrecht in Kreisen und Kommunen erhalten, das Ehegatten-Aufenthaltsrecht sollte reformiert werden. Unter dem Stichwort „Minderheitenrechte“ wurde in der Koalitionsvereinbarung ein Gesetz gegen Diskriminierung angek&#252;ndigt, dass die Hautfarbe und ethnische Zugeh&#246;rigkeit ber&#252;cksichtigte. Kaum war die nationale Gesetzgebung in die Hand<br />
genommen, wurde die Arbeit der Ausl&#228;nderbeauftragten der 14. Legislaturperiode von der Zuwanderungs- und Fl&#252;chtlingspolitik der europ&#228;ischen „Vergemeinschaftung“ beeinflusst, die zentrale Rechtssetzungsprozesse auf EU-Ebene zu Unionsb&#252;rgern sowie zu Drittstaatangeh&#246;rige einforderte. Marie-Luise Beck verabschiedete elf EU-Richtlinien zu Drittstaatenangeh&#246;rige, die in der 16. Legislaturperiode in nationales Recht umgesetzt wurden (Amt im Wandel, Seite 25).</p>
<p>1999 wurde die Reform des Staatsangeh&#246;rigkeitsrechts beschlossen. Seit Januar 2000 gilt zus&#228;tzlich zum Abstammungsprinzip, ius sanguinis, das Geburtsrecht, ius soli. Ab diesem Zeitpunkt werden in Deutschland geborene Kinder von ausl&#228;ndischen Eltern im allgemeinen mit der Geburt automatisch Deutsche. Die Mehrstaatlichkeit wurde abgelehnt, insgesamt aber n&#228;herte sich diese Reform den europ&#228;ischen Standards (Amt im Wandel, Seite 26). Das Arbeitsverbot f&#252;r Asylbewerberinnen wurde wieder aufgehoben (Seite 27), die Zugangsm&#246;glichkeiten zum Arbeitsmarkt wurden verbessert. Beck wies auf Schutzl&#252;cken im deutschen Fl&#252;chtlingsrecht in den Bereichen der nichtstaatlichen und geschlechtsspezifischen Verfolgung hin und rief zu einem integrationspolitischen Dialog auf. In ihrem „Bericht &#252;ber die Lage der Ausl&#228;nder der Bundesrepublik Deutschland, Februar 2000, stellte sie dem Deutschen Bundestag „Leitlinien der Integrationsf&#246;rderung“ vor. Im Dezember 2000 ver&#246;ffentlichte sie die „Eckpunkte f&#252;r eine Integrationsgesetzgebung“, die im sp&#228;teren Zuwanderungsgesetz aufgenommen wurden.</p>
<p>Beck organisierte 1999 und 2000 Informationskampagnen zur Einb&#252;rgerung mit dem Erfolg, dass die Einb&#252;rgerungszahlen innerhalb eines Jahres um knapp drei&#223;ig Prozent auf 187.000 anstiegen. Die in der Koalitionsvereinbarung genannte Anti-Diskriminierungs-Gesetzgebung ging in die EU-Richtlinie zur Anwendung des Gleichbehandlungsgesetzes ohne Unterschied der Rasse oder der ethnischen Herkunft ein, wurde aber erst 2006 in nationales Recht umgesetzt. Maria B&#246;hmer zitierte in ihrer Rede im Bundeskanzleramt aus dem Memorandum von Marie-Luise Beck 2005: „Es geht nicht um das Ob, sondern allenfalls um das Wie von Integration“. Bei der Amts&#252;bernahme haben sich beide dar&#252;ber „ausgetauscht“, sagte B&#246;hmer und so habe sie gewusst: „Hier geht es um schwierige, umstrittene Themen. Und alle Beauftragten hatten mit mangelnder politischer und gesellschaftlicher Unterst&#252;tzung zu k&#228;mpfen“.</p>
<p>Als Bundeskanzler Gerhard Schr&#246;der die Green-Card im Jahr 2000 vorschlug, erneuerte sich die Zuwanderungsdebatte. Das Bundesinnenministerium setzte eine unabh&#228;ngige Kommission „Zuwanderung“ unter Leitung der fr&#252;heren Bundespr&#228;sidentin Rita S&#252;&#223;muth ein, die Ma&#223;nahmevorschl&#228;ge zu Migration, Integration erarbeiten sollte. Im Juli 2001 stellte die Kommission ihre Handlungsempfehlungen vor, die Tatsachen der ung&#252;nstigen demografischen Entwicklungen miteinbezogen sowie bestehende und zuk&#252;nftige Arbeitskr&#228;ftem&#228;ngel bestimmter Arbeitsmarktsektoren. Der Entwurf ging ein in die Debatte um ein Zuwanderungsgesetz, das dann 2005 als „Allparteienkompromiss“ in Kraft trat. (Amt im Wandel, Seite 29).</p>
<p>Der Gesetzesentwurf 2001 „Gesetz zur Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung und zur Regelung des Aufenthalts und der Integration von Unionsb&#252;rgern und Ausl&#228;ndern“, kurz „Zuwanderungsgesetz“ enthielt einige Ergebnisse der Kommission „Zuwanderung“. F&#252;r Kritiker seien zu liberale Bestimmungen bei der Arbeitszuwanderung³ enthalten gewesen, die Aufnahme von Fl&#252;chtlingen beziehungsweise Asylsuchenden sowie das „R&#252;ckkehrmanagement“ seien dagegen versch&#228;rft worden. (Amt im Wandel, Seite 28)</p>
<p>Mitten in der Debatte zum Gesetzesentwurf fiel der Anschlag auf das World Trade Center in New York (USA) vom 11. September 2001. Deutschland reagierte mit zus&#228;tzlichen sicherheitspolitischen Restriktionen in den Antiterrorbereichen und schufen die Sicherheitspakete I und II. Integration wurde zur gesetzlichen Aufgabe erkl&#228;rt und die Verwaltung beim Bundesamt f&#252;r Migration und Fl&#252;chtlinge, dem ehemaligen Bundesamt f&#252;r die Anerkennung ausl&#228;ndischer Fl&#252;chtlinge in N&#252;rnberg, konzentriert. Ein „Sachverst&#228;ndigenrat f&#252;r Zuwanderung und Integration (Zuwanderungsrat) wurde 2002/2003 berufen, der die migrationspolitischen Entwicklungen begleiten und dann im Jahr 2004 ein Jahresgutachten erstellen sollte (Amt im Wandel, Seite 29). Der vor dem<br />
Bundestagswahlkampf 2002 umstrittene Gesetzesentwurf passierte zwar den Bundesrat, wurde dann aus formalen Gr&#252;nden durch das Bundessverfassungsgericht im Dezember 2002 f&#252;r nichtig erkl&#228;rt. Der zweite, fast textgleichen Entwurf, wurde dem Vermittlungsausschuss weiter geleitet, der seine Beratungen im Oktober 2003 begann.</p>
<p>Seit dem 1. Januar 2005 gilt das neue „Zuwanderungsgesetz“. Es soll das Genehmigungsverfahren zur Aus&#252;bung einer Besch&#228;ftigung vereinfacht worden sein, ebenso das Zuzugsrecht von Kindern erleichtert. Beim Familiennachzug aus humanit&#228;ren Gr&#252;nden gab es trotz Anwendung der Genfer Fl&#252;chtlingskonventionen und ber&#252;cksichtigen nichtstaatlich und geschlechtsspezifisch verfolgter Personen weitere Einschr&#228;nkungen, ebenso blieb die von Kirchen- und Fl&#252;chtlingsverb&#228;nden kritisierte Kettenduldungspraxis bestehen. Verbessert wurde das Integrationsangebot und die seit dem 1. September 2005 vom Bund angebotenen Integrationskurse, in denen Zuwanderer neben der deutschen Sprache, die Geschichte, Kultur und das politische System vermittelt werden (Seite 29).</p>
<p>Mit Beginn der 15. Legislaturperiode wurde Marie-Luise Beck zur Parlamentarischen Staatssekret&#228;rin beim Bundesministerium f&#252;r Familie, Senioren, Frauen und Jugend benannt, die Aufgaben als Integrationsbeauftragte nahm sie ehrenamtlich wahr. Laut Brosch&#252;re Amt im Wandel, Seite 30, habe der Wechsel der Beauftragten zum „Gesellschaftsministerium“ BMFSFJ inhaltlich die Bezugspunkte von der Sozialpolitik zur Bildungs-, Ausbildungs- und Arbeitsf&#246;rderung &#252;ber die Kinder-, Jugend- und Frauenpolitik bis hin zur Stadtentwicklung und mit dem Verbraucherschutz miteinander verbunden. Die Querschnittsaufgabe Integration wurde Realit&#228;t. Im Umgang mit den kulturellen, sprachlichen und religi&#246;sen Unterschieden taten sich &#214;ffnungen zu allen gesellschaftlichen Bereichen auf, die Beauftragte bereitete den Umgang der Vielfalt in der Einheit vor. Im Memorandum „Integrationspolitik als Gesellschaftspolitik in der Einwanderungsgesellschaft“, Oktober 2005, legte Marie-Luise Beck die Leitbilder, Ziele und Handlungsfelder fest, mit denen der gemeinsame Weg gegangen werden k&#246;nnte. Die gesellschaftlichen Institutionen Kindergarten, Schule, Ausbildungsst&#228;tten, Arbeitsm&#228;rkte, Arbeitslosenm&#228;rkte,<br />
Krankenh&#228;user und Altenheime m&#252;ssten in die Lage versetzt werden, den Pluralismus produktiv zu nutzen und sich interkulturell zu &#246;ffnen, hei&#223;t es darin.</p>
<p>Die St&#228;dte m&#252;ssten ihre St&#228;dte zu Orten sozialer Integration machen, das Bildungssystem den Umgang mit der wachsenden gesellschaftlichen Vielfalt lernen. Die Integrationspolitik sei mehr als Ausl&#228;nder- oder Minderheitenpolitik, mehr als Sprachf&#246;rderung und Eingliederungshilfe. Integrationspolitik in der Einwanderungsgesellschaft betreffe alle Politik- und Lebensbereiche und m&#252;sse als Querschnittsaufgabe verankert werden. „Nach 50 Jahren Einwanderung lautet die „conditio sine qua non“ jeder Integrationspolitik: Einwanderer sind Teil dieser Gesellschaft, sie geh&#246;ren selbstverst&#228;ndlich dazu. Es geht nicht um das Ob, sondern allenfalls um das Wie der Integration.“ (Amt im Wandel, Seite 31)</p>
<p><strong>16. Legislaturperiode.</strong> Die Ausgangspunkte f&#252;r die ehemalige Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Maria B&#246;hmer (CDU/CSU) waren im Jahre 2005 europ&#228;ischer gepr&#228;gt: In Frankreich setzen radikale Vorst&#228;dte in Brand und in Deutschland habe man sich gefragt, hei&#223;t es in ihrem Redemanuskript vom 17. Dezember, ob dies auch in Deutschland geschehen k&#246;nne. Im Jahr 2006 kam der Mikrozensus heraus. Er hatte „in den Blick ger&#252;ckt“, was vorher nur Ahnung war. Fast 20 Prozent der Bev&#246;lkerung und jedes dritte Kind „lebten in einer Zuwandererfamilie“, sagte Maria B&#246;hmer. Es war klar, Deutschland muss Integrationsland sein, „viele Zuwanderer sind gut integriert und gehen ihren Weg“. Die andere Seite der Medaille zeige aber, 40 Prozent junger Migranten haben keinen Berufsabschluss, Kinder und Jugendliche sprechen schlecht deutsch, obwohl sie hier geboren sind. Es mache sich eine Perspektivlosigkeit unter den Jugendlichen breit, eigene berufliche und soziale Lebenswege zu gestalten, die mit der Ablehnung des Landes und der &#252;berwiegenden Wertehaltung einhergehen soll.</p>
<p>Maria B&#246;hmer wollte am 17. Dezember nicht nur die Probleme benennen. Sie wolle die Potenziale nutzen und die Vielfalt und Chance begreifen. „Als eine Bereicherung erfahren, das kann die Politik nicht alleine, notwendig ist eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung“. Und dazu geh&#246;rt reden, reden, reden und nochmals miteinander reden und so wurde aus dem Dialog der Beauftragten mit den Migranten und ihren Verb&#228;nden ein st&#228;ndiger Dialog entstanden zwischen der Bundesregierung mit Migranten, Verb&#228;nden, Stiftungen, Medien, Kirchen, Religionsgemeinschaften, der Wirtschaft, dem Sport und vielen anderen. „Wir reden nicht mehr &#252;bereinander, sondern miteinander, das ist zu einem Motto geworden und die Migranten bringen sich ganz anders ein wir befinden uns in einem spannenden Prozess“, bei dem auch viel gestritten w&#252;rde: „Streit kann uns ja auch weiter bringen“, sagte Maria B&#246;hmer zur aktuellen Integrationspolitik.</p>
<p>Die Integrationsgipfel 2006, 2007 und 2008 zu koordinieren und gemeinsam mit den Migrationsvertretern den Nationalen Integrationsplan heraus zu bringen seien strategischen Eckpfeiler der fortgeschrittenen Einwanderungspolitik geworden. Weitere Markierungen f&#252;r Dialogprozesse sind die Jugendforen und der erste Jugendgipfel am 8. Mai 2007 im Kanzleramt, die Migrantenkonferenzen und die Islam Konferenz, die im September 2006 vom Bundesministerium des Innern ins Leben gerufen wurde und zwischen deutschen Staatsvertretern und den muslimisch orientierten Verb&#228;nden und Pers&#246;nlichkeiten den Austausch erm&#246;glicht, die Integrationsministerin ist Mitglied im Plenum der Islam Konferenz. Im Mittelpunkt der Gedanken zu einer modernen Einwanderungspolitik stehe f&#252;r B&#246;hmer die Erkenntnis, „dass viele Migrantinnen und Migranten ihren Platz in der Gesellschaft gefunden haben und zum Wohlstand und zur gesellschaftlichen und kulturellen Vielfalt in Deutschland beitragen“. Die Migrantenorganisationen haben „zugleich mehr Verantwortung f&#252;r ihre Mitglieder und die Integration“ &#252;bernommen, sagte die CSU-Politikerin.</p>
<p>Um die Defizite bei der Sprachausbildung von Teilen der zweiten und dritten Einwanderergeneration und den damit einhergehenden Schwierigkeiten eine berufliche Ausbildung zu absolvieren und der Dauererwerbslosigkeit gr&#246;&#223;erer Bev&#246;lkerungsgruppen vorzubeugen, erkl&#228;rte das Bundeskabinett die Integrationsarbeit zur gesellschaftlichen Schl&#252;sselaufgabe: „Gutes Zusammenleben – klare Regeln. Start in die Erarbeitung eines Nationalen Integrationsplans“ vom 12. Juli 2006. (Demokratie Spiegel)</p>
<p><strong>Der erste Nationale Integrationsgipfel</strong> fand am 14. Juli 2006 im Bundeskanzleramt statt. Mit dem Nationalen Integrationsplan wollte die Bundesregierung in der Integrationspolitik „ein v&#246;llig neues Kapitel der Geschichte“ aufschlagen, sagte Kanzlerin Angela Merkel im November 2007 (Podcast Nr. 35, aus: Amt im Wandel, Seite 34). Von Oktober 2006 bis M&#228;rz 2007 erarbeiten Arbeitsgruppen unter Leitung eines Ministeriums oder des Amtes der Integrationsministerin Berichte, Zielvorgaben und Handlungsempfehlungen zu zehn Themen. Die ersten drei sind: Integrationskurse verbessern, die deutsche Sprache von Anfang an f&#246;rdern, eine gute Ausbildung sichern und die Arbeitsmarktchancen erh&#246;hen. Der letzte Punkt hei&#223;t: Wissenschaft - weltoffen.</p>
<p>Im Rahmen des „Forums Integration“ und mit themenspezifischen Veranstaltungen wurde am Integrationsplan gearbeitet (Amt im Wandel, Seite 36) und ein Fachpublikum erobert, dass aus dem gesamten Bundesgebiet stammt, verschiedene Generationen und Lebensentw&#252;rfe repr&#228;sentiert und die Bundesregierung regelm&#228;&#223;ig unterrichtet. So haben Sch&#252;lervertreter, Auszubildende und Studenten Konzepte vorgelegt, die zur mehr sozialer Integration in den Schulen, Ausbildungsst&#228;tten und f&#252;r die Freizeit f&#252;hren sollen. Im Fr&#252;hjahr <strong>2009 findet der dritte Jugendintegrationsgipfel</strong> statt.</p>
<p>Der Integrationsplan folge drei Grunds&#228;tzen, damit die Bev&#246;lkerungsgruppen mit Migratinshintergrund die Integrationsarbeit selbst&#228;ndig mitgestalten k&#246;nnen. Laut Statistik leben rund 15 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, in den Interventionsgebieten wird bereits jeder Dritte in einer Zuwanderfamilie geboren. Es gilt das Dialogprinzip, so k&#246;nnen Ziele und Ma&#223;nahmen konkret auf die Bedarfe der Zielgruppen zugeschnitten werden, und der Potentialansatz. Damit sind die Empfehlungen des NI mit den Kompetenzen der Migrationsb&#252;rger innerhalb ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebenswelten verbunden. Drittes Prinzip ist die gemeinsame Verantwortung. Die Arbeit am NI war deshalb erfolgreich, weil alle wesentlichen Akteure beteiligt waren und sich auf Selbstverpflichtungen einlie&#223;en. Von staatlicher seite waren mit Bund, L&#228;ndern und Kommunen, vertreten von kommunalen Spitzenverb&#228;nden alle f&#246;rderalen Ebenen beteiligt und Vertreter der Zivilgesellschaft eingebunden: Von der Arbeitgeberseite, der Gewerkschaften, von Wohlfahrtsverb&#228;nden, Vereinen, aus der Wissenschaft, dem Sport, den Medien, der Kunst und der Kultur.</p>
<p>Auf dem zweiten Integrationsgipfel am 12. Juli 2007 wurde der Nationale Integrationsplan vorgestellt (Demokratie Spiegel), der &#252;ber 400 f&#252;r die Aktionsgruppen verbindliche Selbstverpflichtungen enth&#228;lt. Insgesamt habe der Integrationsplan laut Amt im Wandel, Seite 39, die Aktivit&#228;ten f&#252;r Integration Deutschlandweit verst&#228;rkt und sich die Zuwanderungsdebatte ver&#228;ndert. Anstelle der Diskussionen um die formalen Arbeitsmarktzug&#228;nge und rechtlichen Gleichbehandlungen stehe nun die gesellschaftliche Teilhabe durch Erwerb der deutschen Sprache sowie einen diskriminierungsfreie Zugang zu Bildungseinrichtungen und beruflichen Qualifikationsm&#246;glichkeiten rechtlich abzusichern. Die ver&#228;nderte Sichtweise begr&#252;ndet die Regierung zum einen mit dem demografischen Wandel durch Einwanderung, Stichworte: Vom Gastarbeiter und Vertragsarbeitnehmer zum Menschen mit Migrationshintergrund, zum anderen mit der Hinnahme des Strukturwandels, der alle Bev&#246;lkerungsteile beeinflusst. Die Ver&#228;nderungen von der Industrie- zur Wissensgesellschaft, mit weltweiter Anbindung, gef&#228;hrden eben jene Arbeitspl&#228;tze, f&#252;r die ab Mitte der f&#252;nfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts Arbeitskr&#228;fte aus den Drittstaaten und aus Europa angeworben wurden.</p>
<p>Die L&#228;nder&#252;bergreifende Zusammenarbeit wurde stabilisiert, alle Bundesl&#228;nder schufen Minister- und Senatsstellen f&#252;r Integration, die im November 2006 zu Maria B&#246;hmer ins Kanzleramt kamen. Von der Ministerpr&#228;sidentenkonferenz wurde diesem Gremium beauftragt die gemeinsamen Beitr&#228;ge heraus zu arbeiten. Die Ministerkonferenz beschloss daraufhin am 14. Juni 2007 eine gemeinsame Erkl&#228;rung mit der Verpflichtung den regelm&#228;&#223;igen Austausch zu f&#246;rdern, die Zusammenarbeit auszubauen und die Programme der Integrationspolitik sicher zu stellen. Am 30. September 2008 beschlossen die L&#228;nderintegrationsbeauftragten auf einer Integrationsministerkonferenz zusammen zu kommen, um die Querschnittsaufgabe in alle Bereiche der Landespolitik zu verankern. Fast alle Bundesl&#228;nder verf&#252;gen mittlerweile &#252;ber vielf&#228;ltige Handlungskonzepte, die weiter aufeinander abgestimmt werden sollen.</p>
<p>Der Deutsche St&#228;dtetag, der Deutsche Landkreistag und der deutsche St&#228;dte- und Gemeindeverbund gaben beim ersten Integrationsgipfel ebenfalls eine Erkl&#228;rung ab und verabschiedeten als Bundesverband der kommunalen Spitzenverb&#228;nde eigene Verpflichtungen als Beitrag zum IP. Dadurch k&#246;nnen einzelne Kommunen in ein Gesamtkommunales Konzept &#252;bergef&#252;hrt und vernetzt werden. So entstehen Koordinierungsstellen in den Verwaltungen, die wiederum bei Integrationsfragen den Kommunalen Vertretern zu Seite stehen k&#246;nnen. Auf dem dritten Integrationsgipfel stellte die Bundesregierung und die am IP beteiligten Akteure den ersten Fortschrittsbericht vor, der auch eine erste gemeinsame Erkl&#228;rung der Migrationsvertreter enthalten war. Darin hei&#223;t es der IP sei ein „lang erhofftes Signal f&#252;r Integration“, kritisiere aber auch immer noch vorhanden integrationshemmende Regeln im Staatsangeh&#246;rigkeits- und Familienzuzugsrecht.</p>
<p>Die Beauftragte der Bundesregierung Maria B&#246;hmer will weiter an den institutionellen Voraussetzungen arbeiten, ein tragendes Querschnittsprofil durch die ganze Gesellschaft zur Integration zu schaffen. Dazu geh&#246;rten die f&#246;rderalen Zust&#228;ndigkeiten zu differenzieren und abzustimmen sowie ein bundesweites Integrationsmonitoring durchzuf&#252;hren, um die Wirkungen der Integrationsarbeit zu pr&#252;fen. Drittens sollen als erfolgreich anerkannte Projekte in nachhaltige Strukturen umgewandelt werden und vorhandene Initiativen engagierter B&#252;rger und Politiker. So sollen die Integrationsma&#223;nahmen horizontal, quer durch alle Ressorts, und vertikal, &#252;ber die f&#246;deralen Ebenen hinweg und in die Zivilgesellschaft hinein, geb&#252;ndelt und koordiniert werden k&#246;nnen (Amt im Wandel, Seite 43).</p>
<p>1 Bern Gei&#223; (2001): „Die Ausl&#228;nderbeauftragten der Bundesregierung in der ausl&#228;nderpolitischen Diskussion, in: Edda Currle, Tanja Wunderlich (Hrsg,): Deutschland-Ein Einwanderungsland? R&#252;ckblick, Bilanz und neue Fragen. Festschrift des europ&#228;ischen forums f&#252;r migrationsstudien efms. Stuttgart: Lucius&#038;Lucius.</p>
<p>² Fu&#223;note 1: Die T&#228;tigkeiten der Ausl&#228;nderbeauftragten der letzten Regierung der DDR, Almuth Berger, bedarf einer eigenen Darstellung, Haus: Brosch&#252;re Amt im Wandel, 30 Jahre Beauftragte der Bundesregierung f&#252;r Migration, Fl&#252;chtlinge und Integration, Hrsg. Die Beauftragte der Bundesregierung f&#252;r Migration, Fl&#252;chtlinge und Integration, Seite 7. Internet: <a href="http://www.integrationsbeauftragte.de/">www.integrationsbeauftragte.de</a></p>
<p>³ Das sogenannte Punktesystem konnte die Bundesregierung 2005 im Bereich der Arbeitsmigration nicht umsetzen. Damit blieb die Arbeitskr&#228;ftezuwanderung abh&#228;ngig von einem konkreten Stellennachweis im Inland.</p>
<p>Interessante Brosch&#252;re vom Bundesministerium des Innern: Migration und Integration: Aufenthaltsrecht, Migrations- und Integrationspolitik in Deutschland. Internet: <a href="http://www.bmi.bund.de/">www.bmi.bund.de</a></p>
<p><a href="http://www.demokratie-spiegel.de/">www.demokratie-spiegel.de</a>
</p>
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		<title>Wolf Singers Entsorgung des Ich</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Dec 2008 15:52:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jochen Ebmeier</dc:creator>
		
	<category>Kultur</category>
	<category>Wissenschaft</category>
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</dl>
<p>Die Spatzen br&#252;llen es vom Dach: Die Hirnforschung hat uns eine Revolution beschert. Die Freiheit des Willens ist widerlegt, das Ich liegt bei den Akten. <em>Ein neues Menschenbild?</em> betitelt ihr Wortf&#252;hrer sein j&#252;ngstes Buch.</p>
<p><strong>Spontaneit&#228;t…</strong></p>
<p>Lange sah es aus, als sei die Hirnforschung im Begriff, auf empirischen Wegen im menschlichen Erkennen den Vorrang des Subjektiven vor dem Objektiven nachzuweisen, den Kant und seine Anh&#228;nger immer behauptet hatten. Denn ‚empfangen’ w&#252;rden von unserm Gehirn, so hei&#223;t es, immer nur einzelne Sinnesreize. Diese zu einer bedeutungsvollen Einheit zusammenzufassen, sei dessen eigne Leistung, die den Sinnesreizen gewisserma&#223;en ‚vorausgeht’. &#8220;Einzelne Neurone repr&#228;sentieren durch den Grad ihrer Aktivierung lediglich elementare Objektmerkmale, keine komplexe Merkmalskonstellationen&#8221;, schreibt Wolf Singer.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn1">[1]</a> &#8220;Jede Zelle interagiert mit etwa zwanzig bis drei&#223;igtausend anderen.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn2">[2]</a> Die Information &#252;ber komplexe Objekte wird im Gehirn in jedem Fall arbeitsteilig durch sehr viele Neurone analysiert, von denen jedes durch seine Aktivierung jeweils nur einen relativ kleinen Teilaspekt der Objektbeschaffenheit kodiert. Diese jeweils f&#252;r ein Merkmal zust&#228;ndigen Neurone [<em>sind</em>] nicht etwa in einem eingegrenzten Hirnareal aufzufinden, sondern &#252;ber ausgedehnte Hirnareale verteilt. Objekte [werden] nicht durch die Aktivit&#228;t einzelner oder sehr weniger Neurone in der Hirnrinde repr&#228;sentiert, sondern durch ausgedehnte und &#252;ber weite Bereiche verteilte Neuronenverb&#228;nde - sogenannte Assemblies.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn3">[3]</a></p>
<p>Das bedeute, &#8220;dass die Verschaltungsarchitektur eine ganz wesentliche Determinante f&#252;r Hirnfunktionen [<em>ist</em>]. Hier liegen die meisten Freiheitsgrade, da die Funktionen einzelner Nervenzellen recht stereotyp sind.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn4">[4]</a> Die Spezifizit&#228;t der Hirnfunktionen beruht ausschlie&#223;lich auf der Architektur der Verbindungen zwischen Nervenzellen. Das Programm [<em>des Gehirns</em>] residiert praktisch in dieser Architektur der Verbindungen und in deren Gewichtung, die in den Grundz&#252;gen genetisch vorgegeben wird. Sie speichert gewisserma&#223;en die w&#228;hrend der phylogenetischen Entwicklung gewonnene Erfahrung &#252;ber das Sosein der Welt.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn5">[5]</a> Wir kommen mit erheblichem Vorwissen &#252;ber die Welt in diese.&#8221; <a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn6">[6]</a></p>
<p>Dieses Vorwissen &#252;ber die Welt ist nicht positiv als ‚Information’ kodiert, sondern problematisch: &#8220;Vom nur teilweise vorgefertigten Gehirn wird also eine Vielzahl von Fragen an die Welt  gestellt, deren Beantwortung zu Struktur&#228;nderungen f&#252;hrt. Das Gehirn interpretiert.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn7">[7]</a> Daraus folgt, &#8220;dass Wahrnehmung nicht als passive Abbildung von Wirklichkeit verstanden werden darf, sondern als das Ergebnis eines au&#223;erordentlich aktiven, konstruktivistischen Prozesses gesehen werden muss, bei dem das Gehirn die Initiative hat.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn8">[8]</a> Das Gehirn ist nie ruhig, sondern generiert st&#228;ndig hochkomplexe Erregungsmuster, auch wenn Au&#223;enreize fehlen.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn9">[9]</a> [<em>Es</em>] bildet st&#228;ndig Hypothesen dar&#252;ber, wie die Welt sein sollte, und vergleicht die Signale von den Sinnesorganen mit diesen Hypothesen. Finden sich die Hypothesen best&#228;tigt, erfolgt die Wahrnehmung nach sehr kurzen Verarbeitungszeiten. Treffen sie nicht zu, muss das Gehirn seine Hypothesen korrigieren, was die Reaktionszeiten verl&#228;ngert.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn10">[10]</a></p>
<p>Der alte Streit zwischen Idealismus und Realismus w&#228;re empirisch endg&#252;ltig entschieden: ‚Wahr’nehmen ist nicht aufnehmen, sondern ein &#8220;Verifizieren vorausgetr&#228;umter Hypothesen&#8221;.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn11">[11]</a> Die apriorische Synthesis, die die neuronalen Signale zu einer sinnvollen Wahrnehmung ‚bedeutet’, &#8220;ist ein Actus der Spontaneit&#228;t der Vorstellungskraft&#8221;, der &#8220;nicht durch Objekte gegeben, sondern nur vom Subjekte her verrichtet werden kann&#8221;, hie&#223; es in der <em>Kritik der reinen Vernunft</em>.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn12">[12]</a></p>
<p><strong>…und Spiel.</strong></p>
<p>Der Subjektivismus des Hirnforschers geht noch weiter. Das Subjekt ‚erkennt’ n&#228;mlich nicht blo&#223; aktiv, aber gesetzm&#228;&#223;ig; sondern es macht seine Tatsachenfeststellungen von apriorischen Wertzuschreibungen abh&#228;ngig. Was immer ‚erscheint’, wird &#8220;nat&#252;rlichen Bewertungsprozessen unterworfen&#8221;, die &#8220;Ver&#228;nderungen nur dann zulassen, wenn das Gesamthirn befunden hat, dass die jeweils zur Verarbeitung gelangten Aktivit&#228;tsmuster bedeutsam sind. Diese Bewertung wird von Zentren im limbischen System vorgenommen. Das Bewertungsergebnis wird den &#252;ber die gesamte Hirnrinde verteilten Verarbeitungszentren &#252;ber Nervenbahnen und spezielle chemische &#220;bertr&#228;gerstoffe, sogenannte Neuromodulatoren, mitgeteilt.&#8221; Etwa achtzig Prozent der synaptischen Verbindungen von Nervenzellen der Gro&#223;hirnrinde geh&#246;ren zu dieser Klasse, und nur etwa zehn bis zwanzig Prozent der Eing&#228;nge stammen unmittelbar aus den Sinneszellen. &#8220;Die Sinnessysteme und damit die Signale aus der umgebenden Welt werden somit nur &#252;ber eine sehr kleine Fraktion von Verbindungen in die Gro&#223;hirnrinde vermittelt. Das System besch&#228;ftigt sich haupts&#228;chlich mit sich selbst: achtzig bis neunzig Prozent der Verbindungen sind dem inneren Monolog gewidmet.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn13">[13]</a></p>
<p>&#8220;Die F&#228;higkeit des Gehirns, pr&#228;dikative Modelle von noch ausstehenden Ereignissen zu bilden, um sich schneller anpassen zu k&#246;nnen, ist relativ rezent. Aber wenn es einmal ein System gibt, das auf der Basis von Erfahrung solche pr&#228;dikativen Modelle entwickeln kann, was die Speicherung von Erfahrungsinhalten voraussetzt, dann muss es kombinatorisch <em>spielen</em> k&#246;nnen. Was als Repr&#228;sentation internalisiert wurde, muss in verschiedene Bez&#252;ge gestellt werden, um pr&#252;fen zu k&#246;nnen, was alles passieren k&#246;nnte.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn14">[14]</a></p>
<p>Spielend finden wir uns nicht nur im grauen Alltag zurecht: &#8220;Das ist auch das, was ein Wissenschaftler macht, wenn er Theorien bildet, und was ein K&#252;nstler macht, wenn er etwas herstellt.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn15">[15]</a> Der kreative Prozess in der Wissenschaft ist derselbe wie in der Kunst. Der Erkenntnisprozess der Wissenschaft f&#228;ngt mit dem Generieren von Hypothesen an, die zun&#228;chst intuitiv erfasst werden, wobei sehr oft &#228;sthetische Konsistenzkriterien zugrunde gelegt werden, die gar nicht rationalisierbar sind. Man sucht offenbar nach ganz &#228;hnlichen Kriterien wie der K&#252;nstler: nach Stimmigkeit oder Geschlossenheit. Sehr vieles in der Wissenschaft wird von der &#196;sthetik dominiert. Eine wissenschaftliche Theorie wird dann vom Kreis der Eingeweihten als g&#252;ltig angesehen, wenn sie erstens widerspruchsfrei mit vorhandener Evidenz ist, und zweitens, wenn sie <em>sch&#246;n</em> ist. Sie muss einfach sein und befriedigen. Ganz &#228;hnlich geht der K&#252;nstler vor, nur ist der Stoff, mit dem er umgeht, ein anderer. Auch der K&#252;nstler bildet die Welt ab, wie er sie interpretiert, also innerhalb eines Beschreibungssystems, er schafft neue Wirklichkeiten, neue Interpretationen, was der Wissenschaftler auch tut, wenn er ein Modell des Erfahrbaren erzeugt&#8221;;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn16">[16]</a> er spielt mit dem Material, und &#8220;irgendwann wei&#223; er, dass es jetzt passt.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn17">[17]</a></p>
<p>&#8220;Was der K&#252;nstler und der Wissenschaftler machen, ist nichts anderes, als der Neugierde und dem Verlangen nach dem kombinatorischen Spiel nachzugeben und, losgel&#246;st vom utilitaristischen Alltagsgesch&#228;ft des Lebens, dieses kombinatorische Spiel weiter zu spielen. Dadurch entstehen Modelle der Welt. Dieses Spiel ist offenbar so tief in der Architektur des Gehirns verankert, das es gespielt werden <em>muss,</em> wenn das System &#252;berhaupt sinnvoll zum L&#246;sen von Alltagsproblemen eingesetzt werden soll. Manche spielen das sehr gut, manche weniger, aber alle spielen. Insofern ist jeder, der wahrnimmt, in gewissem Sinne ein K&#252;nstler, weil er Modelle von der Welt erzeugt, interpretiert und selber seine Stimmigkeitskriterien generiert.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn18">[18]</a></p>
<p><strong>Oder Determination?</strong></p>
<p>Das Wahrnehmen erscheint als Leistung nicht nur eines spontanen Subjekts, sondern gar als die eines k&#252;nstlerischen Spielers. Umso verbl&#252;ffender ist die Schlussfolgerung, mit der der empirische Hirnforscher Wolf Singer in den deutschen Medien Furore macht: &#8220;Im Bezugssystem neurobiologischer Forschung gibt es keinen Raum f&#252;r objektive Freiheit, weil die je n&#228;chste Handlung, der je n&#228;chste Zustand des Gehirns immer determiniert w&#228;re durch das je unmittelbar Vorausgegangene.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn19">[19]</a> Was ihm im Bezugssystem neurobiologischer Forschung offenbar niemand bestreitet und was au&#223;erhalb dieses Bezugssystems ihm zu bestreiten niemand n&#246;tig hat, will Wolf Singer aber innerhalb dieses Bezugssystems nicht belassen: &#8220;Unaufschiebbar werden schon jetzt &#220;berlegungen &#252;ber die Beurteilung von Fehlverhalten, &#252;ber die Beurteilung von Schuld und unsere Begr&#252;ndungen von Strafe.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn20">[20]</a></p>
<p>Wie kam es zu dieser Wendung? Anlass war &#8220;das so genannte Bindungsproblem&#8221;; der Umstand n&#228;mlich, dass die Forscher keine ‚Stelle’ finden k&#246;nnen, an der die Synthesis vollzogen wird. Da sitzt kein Richter, der ‚jetzt’ sagt und ‚es gilt’. &#8220;Die Ergebnisse der vielen, gleichzeitig ablaufenden Sinnesfunktionen werden parallel an die ebenfalls zahlreichen exekutiven Zentren weitergegeben, ohne dass vorher alle Informationen an einem Ort zusammen gef&#252;hrt w&#252;rden. Wie dennoch ganzheitliche Wahrnehmung und wohl koordinierte Bewegungen zustande kommen, ist unklar. Es muss Metarepr&#228;sentationen f&#252;r die Ergebnisse dieser Teilprozesse geben, doch diese k&#246;nnen ebenfalls nur nichtlokale Gebilde sein, also wiederum einem distributiven Prinzip folgen. Wir vermuten, dass die Einbindung verteilter Neuronengruppen in diese Metarepr&#228;sentationen durch zeitliche Synchronisation neuronaler Antworten erfolgt.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn21">[21]</a> Es sei &#8220;eine Illusion, das wir im Gehirn ein Kommandozentrum haben, in dem das Ich residiert und wertet, entscheidet und befiehlt. Stattdessen m&#252;ssen wir uns das Ich als einen r&#228;umlich verteilten, sich selbst organisierenden Zustand denken&#8221;.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn22">[22]</a> &#8220;Die Annahme, wir seien voll verantwortlich f&#252;r das, was wir tun, weil wir es ja auch h&#228;tten anders machen k&#246;nnen, ist aus neurobiologischer Perspektive nicht haltbar. Neuronale Prozesse sind deterministisch. Dieses Wissen muss Auswirkungen haben auf unser Rechtssystem, auf die Art, wie wir Kinder erziehen und wie wir mit Mitmenschen umgehen.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn23">[23]</a></p>
<p>Welche Auswirkungen? Ist mein Gehirn jemand anders als ich selbst? Wenn mich ein R&#252;pel bel&#228;stigt, ist also nicht er selber schuld, sondern sein Gehirn. Wenn ich ihm daf&#252;r in den Stei&#223; trete, dann sp&#252;rt er meinen Fu&#223; zwar am Stei&#223; - aber es ist sein Hirn, das ihn sp&#252;rt. So bleibt alles wie gehabt: Der Schuldige kriegt, was er verdient. Man sieht gar nicht ein, welches die praktischen Konsequenzen aus Wolf Singers Entdeckungen sein k&#246;nnten, und warum er davon so viel Aufhebens macht.</p>
<p>Es bleibt die wissenschaftliche Frage nach dem Subjekt des Erkennens und der Willensbildung. Doch zu der tr&#228;gt das &#8220;so genannte Bindungsproblem&#8221; &#252;berhaupt nicht bei. Denn was w&#252;rde sich &#228;ndern, wenn die Hirnforscher ein ‚Zentrum’ h&#228;tten lokalisieren k&#246;nnen? Gar nichts. Wolf Singer w&#252;rde sagen, dass die &#8220;Ursache f&#252;r die je folgende Handlung der vorangehende Gesamtzustand&#8221; - eben nicht des Gehirns, sondern – ‚des Zentrums’ ist.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn24">[24]</a> Ob es sich, empirisch betrachtet, um einen systemischen Prozess oder um einen punktuellen Akt handelt, spielt f&#252;r die Frage der Spontaneit&#228;t der Synthesis &#252;berhaupt keine Rolle - sondern nur, ob er <em>von einem Anderen</em> ‚determiniert’ werden kann. Das hat Wolf Singer zwar bisher nicht behauptet. Es l&#228;uft aber darauf hinaus, er hat es blo&#223; noch nicht gemerkt. Denn was er wirklich sagen will, ist dies: das eine <em>bestimmte</em> neuronale Verschaltung einen <em>bestimmten</em> Vorstellungsgehalt - und <em>nur</em> diesen – ‚determiniert’. Auf etwaige ‚neuronale Korrelate f&#252;r Sinngehalte’ angesprochen, erkl&#228;rt er, &#8220;dass unterschiedlichen Gedanken verschiedene neuronale Aktivit&#228;tsmuster zugrunde liegen. Kein Gedanke ohne Substrat. Allem, was begrifflich trennbar ist, m&#252;ssen unterschiedliche Gehirnzust&#228;nde entsprechen.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn25">[25]</a></p>
<p>Dies ist der einzige rationelle Sinn, den die Rede von ‚Determination’ in diesem Zusammenhang haben kann: dass die <em>Bedeutungen</em> &#8220;Abbilder&#8221; von <em>Sachverhalten</em> seien. In den herk&#246;mmlichen Abbildtheorien sollten es die Dinge der Au&#223;enwelt sein, die vom Denken ‚abgebildet’ w&#252;rden. Hier ist es ein innerer Zustand. Aber dieser Unterschied ist sekund&#228;r und nur vorl&#228;ufig. Denn wenn es den Hirnforschern wirklich gel&#228;nge, den ‚Umschlag’ oder ‚&#220;bergang’ vom (physiologischen) Fakt zum (logischen) Sinn mit Hilfe ihrer modernen ‚bildgebenden’ Verfahren darzustellen, dann w&#228;re er im Prinzip auch andern Arten der Bearbeitung zug&#228;nglich - und <em>dann</em> k&#228;me die ‚Determination’ von au&#223;en.</p>
<p>Ausschlaggebend w&#228;re nur, dass der &#220;bergang ein <em>stetiger</em> ist: Bei Naturvorg&#228;ngen &#8220;gibt es nirgends Spr&#252;nge&#8221;!<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn26">[26]</a> Und wenn dem so ist, l&#228;sst sich die Determinationskette auch umkehren. Wenn ich das Wort ‚Stetigkeit’ sage und mein Gespr&#228;chspartner bem&#252;ht sich zu verstehen, so m&#252;&#223;te sich in dem Ma&#223;e, wie sein Vorstellungsverm&#246;gen den Bedeutungsgehalt ‚Stetigkeit’ realisiert, in seinem Hirn das zugeh&#246;rige neuronale Substrat einstellen. Durch die Wortbedeutung w&#252;rde also ein bestimmter physiologischer Zustand ‚determiniert’. Dann w&#228;re die Wortbedeutung ein Objektivum (mit welchem Substrat?) und die Hirnforschung h&#228;tte auf empirischem Weg die platonische Ideenlehre bewiesen.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn27">[27]</a> Eine unerwartete Wendung! Oder doch nicht? Immerhin hat der Kernphysiker Robert Havemann schon vor vierzig Jahren darauf hingewiesen, dass der mechanische Materialismus nur eine Spielart des objektiven Idealismus ist.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn28">[28]</a></p>
<p><strong>Spr&#252;nge</strong></p>
<p>Gl&#252;cklicherweise kann dem nicht so sein. Wenn n&#228;mlich bestimmte Vorstellungsinhalte lediglich neuronale Prozesse &#8220;abbilden&#8221;, dann m&#252;sste es sich dabei um ein <em>analoges</em> Bild handeln. Analoge Darstellungen k&#246;nnen aber, anders als digitale, keinen Verneinungs-Modus wiedergeben, und den Frage-Modus schon gar nicht. Ich (oder mein Gehirn, was &#228;ndert das?) <em>kann</em> aber fragen und nein sagen. Das ist das Proprium humanum: Der Mensch ist das Tier, das nein sagen kann. Und bevor er nein gesagt hat, konnte er fragen, ob.</p>
<p>Wenn Wolf Singer nun einw&#228;nde: Es gibt im Gehirn eben einen Rechner, der analoge Bilder in digitale Symbole &#252;bersetzt, dann entgegne ich: Zeig mir die Stelle - genau da sitzt das Ich!</p>
<p>Das ist der springende Punkt. Ein <em>digit</em> ist kein Substrat, sondern ein beliebiges, austauschbares und ganz heterogenes Zeichen f&#252;r einen Sinngehalt, zu dem es in keinerlei sachlichem Verh&#228;ltnis steht und der als solcher keiner Materialisierung und &#8220;Substernisierung&#8221; f&#228;hig ist. Das Logische &#8220;ist&#8221; in keiner Weise, sondern gilt. Darunter kann sich der Naturwissenschaftler nichts ‚vorstellen’. <em>Als</em> Naturwissenschaftler soll er das auch gar nicht. Es f&#228;llt nicht in sein Ressort. In seinem Bereich herrschen Kausalit&#228;t, Determination und Stetigkeit: durch sie wird er konstituiert.</p>
<p><em>Natura non fecit saltus</em> - Wolf Singer beruft sich w&#246;rtlich auf die von Leibniz gepr&#228;gte kanonische Formel f&#252;r das stoisch-neuplatonische Dogma der Stetigkeit. &#8220;Das metaphysische Gesetz der Stetigkeit ist aber dies: Alle Ver&#228;nderungen sind stetig oder flie&#223;en, d. i. entgegengesetzte Zust&#228;nde folgen nur durch eine dazwischenliegende Reihe verschiedener Zust&#228;nde aufeinander&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn29">[29]</a> - so hat es Kant formuliert und zum Ausgangspunkt der <em>Kritik</em> gemacht. Die Stetigkeit der Naturvorg&#228;nge setzte n&#228;mlich voraus die dinghafte Realit&#228;t eines kontinuierlich-unendlichen Raumes und einer gleichf&#246;rmig str&#246;menden Zeit. Beide hat Kant aber ins transzendentale Apriori unseres Erkenntnisverm&#246;gens verwiesen! Doch in dem Manifest, das Wolf Singer gemeinsam mit zehn Kollegen im vergangenen Jahr erlassen hat, hei&#223;t es nun wieder: &#8220;Geist und Bewusstsein f&#252;gen sich also in das Naturgeschehen ein und &#252;bersteigen es nicht. Dies bedeutet, man wird widerspruchsfrei Geist, Bewusstsein, Gef&#252;hle, Willensakte und Handlungsfreiheit als nat&#252;rliche Vorg&#228;nge ansehen, denn sie beruhen auf biologischen Prozessen.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn30">[30]</a> Also <em>weil</em> sie auf Physiologie beruhen, <em>m&#252;ssen</em> sie Physiologie sein - wo ist das Problem? <em>Hen kai pân</em>, Alles Eins! Wobei sie gr&#246;&#223;te Schwierigkeiten haben werden, uns von dieser metaphysisch verstandenen Natur einen wissenschaftlich begr&#252;ndeten Begriff zu geben…</p>
<p>Es ist wohl wahr: Betrachte ich die Evolution der menschlichen Physiologie von innen, so folgt immer ein Zustand auf den andern. Dass aber die Ver&#228;nderungen der Zust&#228;nde nur <em>von innen</em> ‚determiniert’ werden: dass ein Zustand <em>aus</em> dem andern folgt, ist damit noch lange nicht gesagt. Evolution ist Anpassung - an Bedingungen, die au&#223;en liegen. Kommt nun die Ver&#228;nderung der Au&#223;enbedingung ihrerseits durch eine Initiative zu Stande, die von innen ausgeht, dann tritt eine R&#252;ckkoppelung ein - und die <em>ist</em> ein ‚Sprung’, der den Betrachter zu einem Perpektivwechsel, zu einem Hiatus n&#246;tigt.</p>
<p>Die Rede ist vom Akt der Hominisation selbst, denn das war der Moment, wo das Ich ‚zur Welt gekommen’ ist.</p>
<p>Evolution ist Auslese und Anpassung. Im Laufe ihrer Geschichte hat jede Spezies ihre &#246;kologische Nische gefunden. Die Nische kann der Naturforscher beobachten und beschreiben. Die Umwelt aber, die sie dem Tier ‚bedeutet’, muss er rekonstruierend <em>erschlie&#223;en</em>: &#8220;Die Umwelt ist v&#246;llig unsichtbar, denn sie besteht lediglich aus den Merkmalen der Tiere, die das Tier selbst hinausverlegt. Jede Umwelt ist das Erzeugnis eines Subjekts&#8221;,<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn31">[31]</a> schreibt Jakob von Uexk&#252;ll, der den biologischen Umwelt-Begriff gepr&#228;gt hat. &#8220;Jede Umwelt bildet eine in sich geschlossene Einheit, die in all ihren Teilen durch die Bedeutung f&#252;r das Subjekt beherrscht wird. Alles und jedes, das in den Bann einer Umwelt ger&#228;t, wird umgestimmt und umgeformt, bis es zu einem brauchbaren Bedeutungstr&#228;ger geworden ist - oder es wird v&#246;llig vernachl&#228;ssigt.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn32">[32]</a> Das Verh&#228;ltnis zwischen der Spezies und ihrer &#246;kologischen Nische ist ein Naturverh&#228;ltnis - und ein Naturverh&#228;ltnis sind die Bedeutungen der Dinge, die darin vorkommen. Sie sind &#8220;selbstverst&#228;ndlich&#8221;.</p>
<p>Der Mensch hat vor Jahrmillionen seine nat&#252;rliche Umwelt verlassen, hat sich auf seine Hinterbeine gestellt und ist in eine offene Welt aufgebrochen.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn33">[33]</a> Deren Bedeutungen waren nicht biologisch vererbt, sind kein Naturverh&#228;ltnis, er musste sie selber verstehen, d. h. heraus-, richtiger: hineinfinden. Weil seine offene Welt unsicher ist, muss er fragen, was die Dinge bedeuten, die ihm begegnen; <em>sich</em> fragen. Und wer fragt, kann ja oder nein sagen. Das ist eine v&#246;llig neue Dimension des Daseins. Wenn das kein ‚Sprung’ ist, was ist es sonst? Unterm Miskroskop des Physiologen - oder seinen modernen, ‚bildgebenden’ &#220;berformungen - ist er freilich nicht zu erkennen. Weil der Mensch <em>nicht</em> wei&#223;, was die Dinge ihm bedeuten und was er unter ihnen <em>soll</em> - darum sagt er &#8220;ich&#8221;.<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn34">[34]</a></p>
<p><strong>Zirkul&#228;r</strong></p>
<p>Jedweden Sinn bestreitet auch Wolf Singer dem Ich und seinem Willen nicht. &#8220;Wir wissen aus der Psychopathologie, was passiert, wenn ein Konstrukt wie der freie Wille zusammenbricht.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn35">[35]</a> Da wir ihn als wirklich erleben, muss ihm auch etwas zugrunde liegen: &#8220;Dennoch beruht unsere Vorstellung, frei zu sein, auf Vorg&#228;ngen im Gehirn. Ich halte sie f&#252;r eine kulturelle Konstruktion. Sie muss sich also irgendwann im Laufe unserer kulturellen Evolution ausgebildet haben.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn36">[36]</a> Dass es sich bei der (den repr&#228;sentativen Staat konstituierenden) Vorstellung vom souver&#228;nen Subjekt um ein Konstrukt handelt, wird ihm niemand bestreiten. Noch entschiedener k&#246;nnte man ihm beipflichten, h&#228;tte er hinzugef&#252;gt: genau so wie meine Vorstellungen von ‚Determination’, ‚Kausalit&#228;t’, ‚Stetigkeit’ auch. Das sind keine Gr&#246;&#223;en, die seine Forschung zu Tage gef&#246;rdert hat, sondern logische Pr&#228;missen, die seine Forschungsarbeit &#252;berhaupt erst erm&#246;glicht haben.</p>
<p>Von Konstrukten redet Wolf Singer oft und gern, wenn es um die Kategorien der andern geht. Von seinen eigenen Kategorien l&#228;sst er sich sowas von niemand sagen. Das ist das Problem mit Wolf Singer: Er redet ‚stetig’ in der Objekt-Sprache seines Fachs; aber allen andern F&#228;chern gegen&#252;ber verwendet er sie, als w&#228;re sie deren Meta-Sprache. F&#252;r sein Fach akzeptiert er dagegen keine Art von Meta-Sprache. Er ist wissenslogisch naiv, glaubt es aber nicht. Das ist das Verh&#228;ngnis aller Empiriker.</p>
<p>Unterschiede zwischen Wissenschaften will er gar nicht kennen, sondern nur solche zwischen &#8220;Beschreibungssystemen&#8221;. Aber was unterscheiden die, und inwiefern? Sie beschreiben Etwas in Hinblick auf etwas Anderes. Dieses ‚in Hinblick auf’ ist eine <em>Absicht</em>, die ein Aufmerksamkeitsfeld konstituiert. Die Absicht - der ‚Hinblick’ - bildet den Ausgangspunkt, das Feld bildet den ‚Gegenstand’. Verschiedene Gegenst&#228;nde kommen durch verschiedene Hinsichten ‚zu Stande’.</p>
<p>Aber davon will Wolf Singer nichts wissen. &#8220;Kann Naturwissenschaftlern &#252;berhaupt zugetraut werden, sich auch zu diesen, eigentlich nur in der Erste-Person-Perspektive fassbaren Realit&#228;ten [<em>er meint die Ich-Problematik</em>] zu &#228;u&#223;ern? Die einen meinen, es sei m&#246;glich. Dies sind meist die Naturforscher, die f&#252;r die Einheit der Wissenschaft [<em>Stetigkeit!</em>] pl&#228;dieren. Die anderen - meist Kulturforscher - behaupten, hier w&#252;rden Kategorie-Fehler gemacht, und das Vorhaben einer Einheitswissenschaft sei prinzipiell nicht realisierbar.&#8221;<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftn37">[37]</a></p>
<p>Ist das blo&#223; unzureichende Kenntnis der Wissenschaftsgeschichte, oder ist es raffiniert? Gute zweitausend Jahre lang hatte die Philosophie, mit dem Segen der Theologen, als erstgeborene unter allen Wissenschaften den Naturforschern Vorschriften gemacht (das Dogma der Stetigkeit zum Beispiel); so dass es vor Galileo zu einer Natur-Wissenschaft gar nicht kommen konnte. Bis sich schlie&#223;lich die Philosophie - in Gestalt der Kant’schen Kritik - jede gesetzgebende Einmischung in die Angelegenheiten der Erfahrungswissenschaften versagte. Seither meinen ‚meist Kulturforscher’, es l&#228;ge im <em>Wesen</em> der Wissenschaft, dass es eine Einheits-Wissenschaft nicht geben kann. Der Naturforscher, von kritischen Bedenken unaffiziert, z&#246;gert nicht, seine Gesetzgebung auf Gott und die Welt auszudehnen. Und l&#228;sst es so aussehen, als w&#252;rden die ‚Kulturwissenschaftler’ vor ihm kneifen!</p>
<p>Das ist nicht nur wissensgeschichtlich, sondern auch wissenslogisch ein hochinteressanter Punkt. Es waren nicht die Erfolge der empirischen Forschung, die die theoretische Spekulation in ihre Schranken gewiesen und Kant zu seinem R&#252;ckzug bewogen h&#228;tten. Galileo selbst hat das Experiment durchaus nicht als selbst&#228;ndige Erkenntnisquelle an die Stelle der Theorie gesetzt, sondern lediglich als Beweismittel gegen&#252;ber Zweiflern eingef&#252;hrt. Und Newton ist allezeit von spekulativen Voraussetzungen ausgegangen, wie der Titel seines Hauptwerks - <em>Principia mathematica philosophiae naturalis</em> - bereits ank&#252;ndigt. Der Ansto&#223; zu Kants ‚kopernikanischer Wende’ ging vielmehr von der Selbstkritik des Empirismus aus! David Hume hat demonstriert, dass der konstitutive Grundsatz der Erfahrungswissenschaften - dass jedes Ereignis eine hinreichende Ursache habe und Erkenntnis darin best&#252;nde, die Ereignisse auf ihre Ursachen zur&#252;ckzuf&#252;hren - selber nicht durch Erfahrung begr&#252;ndet ist; und allerdings auch nicht in der Vernunft. Er hielt ihn blo&#223; f&#252;r eine bequeme Gewohnheit der Menschen, die sich bew&#228;hrt hat. Kant hat dagegen dargelegt, dass die Annahme der Kausalit&#228;t die kategoriale (f&#252;r das Denken notwendige) Voraussetzung ist, um Erfahrungen &#252;berhaupt machen zu k&#246;nnen. Die Pr&#228;misse, dass ein jedes Ereignis seine hinreichende Ursache haben m&#252;sse, konstituiert das Gegenstandsfeld der Naturwissenschaft, indem es ihr den Blickpunkt liefert. Was au&#223;erhalb ihres Blickwinkels liegt, ist kein m&#246;glicher Gegenstand der Naturwissenschaft.</p>
<p>Wolf Singer scheint hingegen zu sagen: Was nicht in ihren Blickwinkel f&#228;llt, das gibt es nicht. Wenn wir ihm sagen, dass sein Kausalit&#228;tsbegriff nicht aus der Erfahrung stammt, sondern absichtshalber der naturwissenschaftlichen Erfahrung zugrunde gelegt wird, dann antwortet er, dass wir zu solchen Aussagen nicht berechtigt sind - weil sie au&#223;erhalb der Kausali&#228;tsbetrachtung liegen.</p>
<p>Wei&#223; er nicht, was ein logischer Zirkel ist?</p>
<p><em>[im Februar 2005]</em></p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref1">[1]</a> Andreas Engel u. Wolf Singer, “Neuronale Grundlagen der Gestaltwahr-nehmung” in: Spektrum der Wissenschaft, Dossier 4/1997, S. 67</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref2">[2]</a> Singer, “Fr&#252;h &#252;bt sich… Zur Neurobiologie des Lernens” in: Mantel, G., (Hg.), Ungenutzte Potentiale, Mainz usw., 1997; S. 45</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref3">[3]</a> Engel u. a., “Neuronale Grundlagen…” ebd</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref4">[4]</a> Singer, “Fr&#252;h &#252;bt sich…” ebd</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref5">[5]</a> ders., “Wahrnehmen ist das Verifizieren von vorausgetr&#228;umten Hypothesen” in: Ein neues Menschenbild?, Frankfurt a.M. 2003; S. 70</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref6">[6]</a> ders., “Das Bild im Kopf - ein Paradigmenwechsel” in: Ganten, D. (Hg.), Gene, Neurone, Qubits &#038; Co., Stgt. u. Heidelberg 1999, S. 269</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref7">[7]</a> ders., “Wahrnehmen ist das Verifizieren…” aaO, S. 71</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref8">[8]</a> ders., “Vom Gehirn zum Bewusstsein”, in: Der Beobachter im Kopf, Ffm, 2002, S. 72</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref9">[9]</a> ders., “Das Bild im Kopf…” aaO, S. 275</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref10">[10]</a> ders., “Vom Gehirn zum Bewusstsein” aaO</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref11">[11]</a> ders. in: Ein neues Menschenbild? S. 67</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref12">[12]</a> Kant, <em>KrV</em> B 130</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref13">[13]</a> Singer, “Das Bild im Kopf…”, aaO S. 274</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref14">[14]</a> ders, “Wahrnehmen ist…” aaO S. 84</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref15">[15]</a> ebd</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref16">[16]</a> ebd S. 80</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref17">[17]</a> ebd S. 84</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref18">[18]</a> ebd</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref19">[19]</a> Singer, “Vom Gehirn zum Bewusstsein”, aaO, S. 75</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref20">[20]</a>  ebd S. 75f.</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref21">[21]</a> Singer, “Wir ben&#246;tigen den neuronalen Kode” ebd, S. 42</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref22">[22]</a> ders., “Vom Bild zur Wahrnehmung”, in: Ch. Maar, H. Burda (Hg.), Iconic Turn, K&#246;ln 2004, S. 75f.</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref23">[23]</a> Singer, “Vom Gehirn zum Bewusstsein”, aaO, S. 75</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref24">[24]</a> ders, “Das Ende des freien Willens?” in: aaO, S. 32f. - Ein reelles Ich identifiziert sich dadurch, dass es eine Geschichte hat.</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref25">[25]</a> ders., “Wer deutet die Welt?” in: aaO, S. 15. - Was haben die Begriffe hier zu suchen? Welchen Grund gibt es - unter der Pr&#228;misse eines systemischen Prozesses -, jede Einzel-Vorstellung in einem jeweiligen ‚Zustand’ des Gesamt-Systems ‚Ding-fest’ zu machen? Das wirkliche Denken geschieht ja gar nicht in Begriffen, sondern in einer Kaskade unfasslicher Bilder. Begriffe treten erst in der Reflexion hinzu - und die ist eine Auseinandersetzung des Gesamtsystems mit sich selbst; ein Seitenwechsel, ein ‚Sprung’. Und nur so kommt auch die Vorstellung eines Ich ‚zu Stande’.</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref26">[26]</a> ebd, S. 26</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref27">[27]</a> In der Assoziationspsychologie des “Eleaten” J. Fr. Herbart wirken ‚Vorstellungsmassen’ tat&#228;chlich ‚urs&#228;chlich’ aufs individuelle Denken: “Vernunft hei&#223;t Vernehmen.” Nat&#252;rlich verwarf auch Herbart den freien Willen und meinte, die Kant’sche Erkenntniskritik &#252;berwunden zu haben.</p>
<p>[<a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref28">28]</a> “Naturwissenschaftliche Aspekte philosophischer Probleme” in: Robert Havemann, Dialektik ohne Dogma? Reinbek 1964, S. 27ff.</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref29">[29]</a> I. Kant, Von der Form der Sinnes- und Verstandeswelt und ihren Gr&#252;nden [Inauguraldissertation], Ed. Weischedel, Bd. V, S. 49</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref30">[30]</a> “Das Manifest” in: Gehirn &#038; Geist, Heft 6/2004, S. 33, 36</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref31">[31]</a> Jakob v. Uexk&#252;ll, Die Lebenslehre, Potsdam 1930, S. 130;</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref32">[32]</a> ders., “Bedeutungslehre” in: ders.,/G. Kriszat, Streifz&#252;ge durch die Umwel-ten von Tieren und Menschen, Hamburg. 1983, S. 111ff.</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref33">[33]</a> Ob dieses Ereignis vor 3 Mio. Jahren im Ostafrikanischen Graben oder schon 4 Mio. Jahre fr&#252;her im Tschad stattgefunden hat, ist unerheblich.</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref34">[34]</a> s. hierzu ausf&#252;hrlich: J. Ebmeier, “Das Ich und die Welt” in: Lettre interna-tional 68, Fr&#252;jahr 2005</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref35">[35]</a> Wolf Singer, “Das Ende des freien Willens?” aaO, S. 31f.</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref36">[36]</a> ders., “Wer deutet die Welt?” aaO, S. 13</p>
<p><a href="https://homepagebaukasten.1und1.de/xml/webfix/wfxEditorPaste;jsessionid=0C2F354F2B6EEFD8297A8E1963F672E8.TC111b#_ftnref37">[37]</a> Wolf Singer, “Das Ende des freien Willens?” in: Ein neues Menschenbild? Ffm. 2003, S. 27</p>
<p>Photo Quelle/Copyright: Christian Seidel, via <a href="http://www.pixelio.de/details.php?image_id=332342&#038;mode=search">pixelio.de</a>
</p>
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		<title>Zur Neurophysiologie des Lernens (nach Wolf Singer)</title>
		<link>http://www.readers-edition.de/2008/12/21/zur-neurophysiologie-des-lernens-nach-wolf-singer/</link>
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		<pubDate>Sun, 21 Dec 2008 16:12:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Jochen Ebmeier</dc:creator>
		
	<category>Kultur</category>
	<category>Wissenschaft</category>
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		<description><![CDATA[Nicht nur sein aufrechter Gang unterscheide den Menschen vom Tier, sagt die P&#228;dagogik, sondern dass er erzogen werden m&#252;sse: Zum Menschen werde er immer erst durch Lernen. Und immerhin dies best&#228;tigen die neueren Befunde der Hirnforschung: F&#252;r die Menschen sind die Ereignisse ihrer Kindheit von so grundlegender Bedeutung wie f&#252;r kein anderes Lebewesen. Denn* &#8220;unser [...]]]></description>
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<dt><img src="http://www.readers-edition.de/wp-content/uploads/2008/12/Wolf_Singer51.JPG" /></dt>
<dd>Wolf Singer. Photo/Autor: Mathias Schindler via<br />
Wikipedia/creative commons</dd>
</dl>
<p><em>Nicht nur sein aufrechter Gang unterscheide den Menschen vom Tier, sagt die P&#228;dagogik, sondern dass er erzogen werden m&#252;sse: Zum Menschen werde er immer erst durch Lernen. Und immerhin dies best&#228;tigen die neueren Befunde der Hirnforschung: F&#252;r die Menschen sind die Ereignisse ihrer Kindheit von so grundlegender Bedeutung wie f&#252;r kein anderes Lebewesen. Denn</em>* &#8220;unser Gehirn kommt extrem unreif zur Welt.</p>
<p><em><strong>Eine systemische Interaktion</strong></em></p>
<p>Die Gro&#223;hirnrinde - ein 2 mm d&#252;nner Mantel von dicht gepackten Nervenzellen - hat sich seit ihrem ersten Auftreten bei h&#246;heren Wirbeltieren in ihrer Struktur kaum ver&#228;ndert. Was uns von den Tieren unterscheidet, ist im wesentlichen die enorme Volumenvermehrung dieser Struktur zuzuschreiben. Das Besondere dieses Organs ist, dass es sich im Laufe der Stammesgeschichte strukturell kaum ver&#228;ndert hat, sondern dass sich auch die verschiedenen Hirnareale im gleichen Gehirn frappierend &#228;hneln, obgleich sie doch scheinbar so unterschiedliche Funktionen wie etwa Sehen und Spracherzeugung vermitteln.</p>
<p>Was k&#246;nnen Nervenzellen? Jede einzelne ist ein extrem komplizierter Analogrechner. Typische Nervenzellen (Neuronen) besitzen zahlreiche Dendriten, vielfach verzweigte Forts&#228;tze, &#252;ber die sie Signale von anderen Nervenzellen empfangen, und ein Axon, einen langen, ebenfalls stark verzweigten Fortsatz, mit dem sie die berechneten Informationen in Form von elektrischen Signalen an andere Nervenzellen weitergeben. Einzelne Neurone repr&#228;sentieren durch den Grad ihrer Aktivierung also lediglich elementare Objektmerkmale, keine komplexe Merkmalskonstellationen. Jede Zelle interagiert mit etwa zwanzig- bis drei&#223;igtausend anderen. Die Information &#252;ber komplexe Objekte wird im Gehirn also in jedem Fall arbeitsteilig durch sehr viele Neurone analysiert, von denen jedes durch seine Aktivierung jeweils nur einen relativ kleinen Teilaspekt der Objektbeschaffenheit kodiert. Diese jeweils f&#252;r ein Merkmal zust&#228;ndigen Neurone sind nicht etwa in einem bestimmten, eingegrenzten Hirnareal aufzufinden, sondern &#252;ber ausgedehnte Hirnareale verteilt; wobei ein jedes Neuron als &#8216;Informant&#8217; in viele verschiedene Sinn-Bilder eintreten kann. Objekte werden nicht durch die Aktivit&#228;t einzelner oder sehr weniger Neurone in der Hirnrinde repr&#228;sentiert, sondern durch ausgedehnte und &#252;ber weite Bereiche verteilte Neuronenverb&#228;nde – so genannte Assemblies. Es sieht so aus, als w&#252;rden &#8216;zuerst&#8217; ganze Bilder erkannt. Erst das Bild gibt dem Sinnesdatum &#8216;Bedeutung&#8217;.</p>
<p>Hieraus folgt, dass die Verschaltungsarchitektur eine ganz wesentliche Determinante f&#252;r Hirnfunktionen ist. Hier liegen die meisten Freiheitsgrade, da die Funktionen der einzelnen Nervenzelle recht stereotyp sind. Die Spezifizit&#228;t der Hirnfunktionen beruht ausschlie&#223;lich auf der Architektur der Verbindungen zwischen Nervenzellen. Das Arbeitsprogramm unseres Gehirns residiert praktisch in dieser Architektur der Verbindungen und in deren Gewichtung, die in den Grundz&#252;gen genetisch vorgegeben wird. Sie speichert gewisserma&#223;en die w&#228;hrend der phylogenetischen Entwicklung gewonnene Erfahrung &#252;ber das Sosein der Welt. Wir kommen mit erheblichem Vorwissen &#252;ber die Welt in diese.</p>
<p><strong><em>Die ersten f&#252;nfzehn Jahre</em></strong></p>
<p>Menschliche Gehirne, und das gilt f&#252;r S&#228;ugetiere im allgemeinen, entwickeln sich nach dem Zeitpunkt der Geburt noch bis hin zur Pubert&#228;t weiter. Zum Zeitpunkt der Geburt verf&#252;gte das Gehirn zwar &#252;ber den vollen Satz Nervenzellen, aber in zahlreichen Hirnstrukturen ist das Auswachsen von Nervenverbindungen noch in vollem Gange. Es bilden sich neue synaptische Kontakte aus, und dieser Entwicklungsprozess setzt sich in bestimmten Hirnrindenarealen bis zur Geschlechtsreife fort. Besonderns bemerkenswert ist dabei, dass diese sp&#228;te Ausdifferenzierung der Verschaltung von neuronaler Aktivit&#228;t und damit von Sinnessignalen beeinflusst wird. Zum Zeitpunkt der Geburt sind die meisten Sinnesorgane bereits voll funktionst&#252;chtig, das hei&#223;t, die Aktivit&#228;t, die im Nervensystem erzeugt wird, unterliegt der Modulation durch die Sinnesorgane. Diese Aktivit&#228;t wiederum wird genutzt, um die neu ausgewachsenen Nervenverbindungen funktionell zu validieren, um funktionell angepasste Nervenfasern zu konsolidieren und nicht gebrauchte abzuschaffen.</p>
<p>Dieser erfahrungsabh&#228;ngige Entwicklungsprozess wird also durch einen extrem hohen Umsatz von neu gebildeten und wieder gel&#246;sten Verbindungen charakterisiert. Aus den gesamten angelegten Verbindungen werden&#8221; <em>schlie&#223;lich</em> &#8220;nur 30 oder 40 Prozent erhalten bleiben. Diese zweite, epigenetische Lernphase ist f&#252;r den Rest des Lebens sehr bedeutsam, da nach Ablauf dieser Entwicklungsphase die Architektur des Nervensystems auskristallisiert und starr wird. Es gibt dann kein neues Wachstum, aber auch keine Vernichtung von Verbindungen mehr, es sei denn, es liegen pathologische Prozesse vor. Jenseits dieser Entwicklungsphase gibt es somit keine M&#246;glichkeit mehr, die Architektur und damit das Basisprogramm des Gehirns zu ver&#228;ndern.</p>
<p><em><strong>Konstruktiv und selbstreferentiell</strong></em></p>
<p>Vom nur teilweise vorgefertigten Gehirn wird also eine Vielzahl von Fragen an die Welt gestellt, deren Beantwortung zu Struktur&#228;nderungen f&#252;hrt. Das Gehirn interpretiert. Wir wissen, dass Wahrnehmung nicht als passive Abbildung von Wirklichkeit verstanden werden darf, sondern als das Ergebnis eines au&#223;erordentlich aktiven, konstruktivistischen Prozesses gesehen werden muss, bei dem das Gehirn die Initiative hat. Das Gehirn ist nie ruhig, sondern generiert st&#228;ndig hochkomplexe Erregungsmuster, auch wenn Au&#223;enreize fehlen. Es bildet st&#228;ndig Hypothesen dar&#252;ber, wie die Welt sein sollte, und vergleicht die Signale von den Sinnesorganen mit diesen Hypothesen. Finden sich die Hypothesen best&#228;tigt, erfolgt die Wahrnehmung nach sehr kurzen Verarbeitungszeiten. Treffen sie nicht zu, muss das Gehirn seine Hypothesen korrigieren, was die Reaktionszeiten verl&#228;ngert.&#8221; <em>Oder, umgangssprachlich: Das Einbilden kommt vor dem Wahrnehmen!</em></p>
<p>&#8220;In vivo w&#252;rden solche Prozesse nat&#252;rlichen Bewertungsprozessen unterworfen werden, die die Relevanz der jeweiligen Aktivit&#228;ten einsch&#228;tzen und Ver&#228;nderungen nur dann zulassen, wenn das Gesamthirn befunden hat, dass die jeweils zur Verarbeitung gelangten Aktivit&#228;tsmuster bedeutsam sind. Diese Bewertung wird von Zentren im limbischen System vorgenommen, das zu den stammesgeschichtlich &#228;ltesten Teilen unseres Gehirns geh&#246;rt. Das Bewertungsergebnis wird den auf der gesamten Hirnrinde verteilten Verarbeitungszentren &#252;ber Nervenbahnen und spezielle chemische &#220;bertr&#228;gerstoffe, so genannte Neuromodulatoren, mitgeteilt. Etwa 80% der synaptischen Verbindungen von Nervenzellen der Gro&#223;hirnrinde geh&#246;ren zu dieser Klasse, und nur etwa 10 bis 20% der Eing&#228;nge stammen unmittelbar aus den Sinneszellen. Die Sinnessysteme und damit die Signale aus der umgebenden Welt werden somit nur &#252;ber eine sehr kleine Fraktion von Verbindungen in die Gro&#223;hirnrinde vermittelt. Das System besch&#228;ftigt sich haupts&#228;chlich mit sich selbst: 80 bis 90 % der Verbindungen sind dem inneren Monolog gewidmet.</p>
<p>Die F&#228;higkeit des Gehirns, pr&#228;dikative Modelle von noch ausstehenden Ereignissen zu bilden, um sich schneller anpassen zu k&#246;nnen, ist relativ rezent. Aber wenn es einmal ein System gibt, das auf der Basis von Erfahrung solche pr&#228;dikativen Modelle entwickeln kann, was die Speicherung von Erfahrungsinhalten voraussetzt, dann muss es kombinatorisch spielen k&#246;nnen. Was als Repr&#228;sentation internalisiert wurde, muss in verschiedene Bez&#252;ge gestellt werden, um pr&#252;fen zu k&#246;nnen, was alles passieren k&#246;nnte. Damit sich das Gehirn die M&#252;he macht, dieses kombinatorische Spiel zu spielen, muss es belohnt, also von internen Bewertungsszentren als angenehm dargestellt werden. Das ist auch offensichtlich so. Wir sehen das bei Kindern, die nichts anderes tun, als mit den zum Teil angeborenen und zum Teil erworbenen Repr&#228;sentationen Planspiele durchzuf&#252;hren. Zus&#228;tzlich muss es ein internes Bewertungssystem geben, von dem wir noch wenig wissen, welches die jeweils gefundenen Konstellationen bewertet und die passenden von den unpassenden trennt. Diese Systeme nehmen ihren Ursprung in mehreren Kerngebieten in der Tiefe des Gehirns und versorgen dann das gesamte Vorderhirn. Sie werden aktiviert, wenn der Organismus wach und aufmerksam ist, vor allem, wenn die Wahrnehmungsinhalte mit Emotionen verbunden sind, die positiv oder negativ sein k&#246;nnen.</p>
<p><em><strong>Das innere Auge</strong></em></p>
<p>Wie aber kommt es, dass wir nicht nur das in unserm Gehirn repr&#228;sentieren, was in unserer Umwelt vorhanden ist, sondern dass wir uns dessen auch bewusst sein k&#246;nnen; dass wir uns gewahr sind, Wahrnehmungen und Empfindungen zu haben - ein Ph&#228;nomen, das die Angelsachsen als <em>phenomenal awareness</em> ansprechen? Diese F&#228;higkeit scheint zu erfordern, dass es im Gehirn kognitive Strukturen gibt, welche die Repr&#228;sentation des Drau&#223;en noch einmal reflektieren, noch einmal auf die gleiche Weise verarbeiten wie die peripheren Areale der Hirnrinde die sensorischen Signale aus der Umwelt und dem K&#246;rper. Die Funktion des &#8216;inneren Auges&#8217; k&#246;nnte gedacht werden als Folge der &#8216;Iteration&#8217;, der wiederholten Anwendung auf sich selbst, der gleichen kognitiven Operationen, die den unreflektierten Prim&#228;rrepr&#228;sentationen des Drau&#223;en zugrunde liegen.</p>
<p>Nun gibt es tats&#228;chlich Hinweise, dass die in der Evolution sp&#228;ter hinzugetretenen Hirnrindenareale ihre Eingangssignale nicht mehr direkt von den Sinnesorganen beziehen, sondern von den bereits vorhandenen, stammesgeschichtlich &#228;lteren Arealen, die ihrerseits mit den Sinnesorganen verbunden sind. Die&#8221; <em>j&#252;ngeren</em> Areale &#8220;scheinen die Signale, die sie von den alten, den prim&#228;ren Arealen bekommen, auf die gleiche Weise zu verarbeiten wie letztere die Signale, die sie von den Sinnesorganen erhalten. So lie&#223;en sich im Prinzip durch Iteration der immer gleichen Repr&#228;sentationsprozesse Metarepr&#228;sentationen aufbauen - Repr&#228;sentationen von Repr&#228;sentationen -, die hirninterne Prozesse abbilden anstatt die Welt drau&#223;en.</p>
<p>Solche Metarepr&#228;sentationen aufbauen zu k&#246;nnen bringt Vorteile. Gehirne, die dies verm&#246;gen, k&#246;nnen Reaktionen auf Reize zur&#252;ckstellen und Handlungsentscheidungen abw&#228;gen, sie k&#246;nnen interne Modelle aufbauen und den erwarteten Erfolg von Aktionen an diesen messen. Sie k&#246;nnen mit den Inhalten der Metarepr&#228;sentationen spielen und pr&#252;fen, was die Konsequenzen bestimmter Reaktionen w&#228;ren. Die M&#246;glichkeit, Metarepr&#228;sentationen aufzubauen, bef&#228;higt uns zu umsichtigem Handeln und erlaubt damit, Gefahren pr&#228;ventiv aus dem Weg zu gehen. Letztlich kann in dieser F&#228;higkeit zum kombinatorischen Spiel mit gespeicherten Inhalten, zur Erzeugung neuer pr&#228;dikativer Modelle, die Grundlage f&#252;r Kreativit&#228;t gesehen werden.&#8221;</p>
<p><em><strong>Spiel der Reflexion</strong></em></p>
<p><em>Spielend finden wir uns nicht nur in unserer grauen Alltagswelt zurecht:</em> &#8220;Das ist auch das, was ein Wissenschaftler macht, wenn er Theorien bildet, und was ein K&#252;nstler macht, wenn er etwas herstellt. Der kreative Prozess in der Wissenschaft ist derselbe wie in der Kunst. Der Erkenntnisprozess der Wissenschaft f&#228;ngt mit dem Generieren von Hypothesen an, die zun&#228;chst intuitiv erfasst werden, wobei sehr oft &#228;sthetische Konsistenzkriterien zugrunde gelegt werden, die oft gar nicht rationalisierbar sind. Man sucht offenbar nach ganz &#228;hnlichen Kriterien wie der K&#252;nstler: nach Stimmigkeit oder Geschlossenheit. Sehr vieles in der Wissenschaft wird von der &#196;sthetik dominiert. Eine wissenschaftliche Theorie wird dann vom Kreis der Eingeweihten als g&#252;ltig angesehen, wenn sie erstens widerspruchsfrei mit vorhandener Evidenz ist, und zweitens, wenn sie sch&#246;n ist. Sie muss einfach sein und befriedigen. Ganz &#228;hnlich geht der K&#252;nstler vor, nur ist der Stoff, mit dem er umgeht, ein anderer. Auch der K&#252;nstler bildet die Welt ab, wie er sie interpretiert, also innerhalb eines Beschreibungssystems, er schafft neue Wirklichkeiten, neue Interpretationen, was der Wissenschaftler auch tut, wenn er ein Modell des Erfahrbaren erzeugt: Er spielt mit dem Material, und irgendwann wei&#223; er, dass es jetzt passt.</p>
<p>Was der K&#252;nstler und der Wissenschaftler machen, ist nichts anderes, als der Neugierde und dem Verlangen nach dem kombinatorischen Spiel nachzugeben und, losgel&#246;st von utilitaristischen Alltagsgesch&#228;ft des Lebens, dieses kombinatorische Spiel weiter zu spielen. Dadurch entstehen Modelle der Welt. Dieses Spiel ist offenbar so tief in der Architektur des Gehirns verankert, dass es gespielt werden muss, wenn das System &#252;berhaupt sinnvoll zum L&#246;sen von Alltagsproblemen eingesetzt werden soll. Manche spielen das sehr gut, manche weniger, aber alle spielen. Insofern ist jeder, der wahrnimmt, in gewissem Sinne ein K&#252;nstler, weil er Modelle von der Welt erzeugt, interpretiert und selber seine Stimmigkeitskriterien generiert.&#8221;</p>
<p><em><strong>&#196;sthetische Bildung </strong></em></p>
<p><em>Das kann nicht ohne Folgen f&#252;r die Erziehung bleiben. &#8216;Wahrnehmung&#8217; ist nicht Reproduktion des Gegebenen - indem etwa Sinnes-Daten aneinandergereiht und hernach zu bedeutungsvollen Ensembles in einander gef&#252;gt w&#252;rden. Unsere Anschauung ist vielmehr selber &#8220;poietisch&#8221;: Es sind die Bilder, die die Daten erst zu &#8220;Informationen&#8221; ausdeuten. &#8216;Lernen&#8217; ist nicht zuerst das Speichern von Daten-Ketten, sondern das Anlegen neuronaler Artikulationssysteme. Und das geschieht nicht diskursiv durch Anlagerung, sondern uno actu in der Anschauung. &#8216;Lehren&#8217; hei&#223;t daher: Wecken der Aufmerksamkeit! Wenigstens in den ersten </em> <!--  /* Font Definitions */  @font-face 	{font-family:Garamond; 	panose-1:2 2 4 4 3 3 1 1 8 3; 	mso-font-charset:0; 	mso-generic-font-family:roman; 	mso-font-pitch:variable; 	mso-font-signature:647 0 0 0 159 0;}  /* Style Definitions */  p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal 	{mso-style-parent:""; 	margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} p.MsoHeader, li.MsoHeader, div.MsoHeader 	{margin:0cm; 	margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	tab-stops:center 8.0cm right 16.0cm; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} p 	{mso-margin-top-alt:auto; 	margin-right:0cm; 	mso-margin-bottom-alt:auto; 	margin-left:0cm; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:12.0pt; 	font-family:"Times New Roman"; 	mso-fareast-font-family:"Times New Roman";} @page Section1 	{size:595.3pt 841.9pt; 	margin:70.85pt 70.85pt 2.0cm 70.85pt; 	mso-header-margin:35.4pt; 	mso-footer-margin:35.4pt; 	mso-paper-source:0;} div.Section1 	{page:Section1;} --> <!--[if gte mso 10]&amp;amp;gt;   /* Style Definitions */  table.MsoNormalTable 	{mso-style-name:"Normale Tabelle"; 	mso-tstyle-rowband-size:0; 	mso-tstyle-colband-size:0; 	mso-style-noshow:yes; 	mso-style-parent:""; 	mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; 	mso-para-margin:0cm; 	mso-para-margin-bottom:.0001pt; 	mso-pagination:widow-orphan; 	font-size:10.0pt; 	font-family:"Times New Roman";}  --><em>15 Jahren…</em></p>
<p>“Man wei&#223;, dass die Aufmerksamkeitssysteme distributiv organisiert sind. Es gibt innerhalb der einzelnen kognitiven Systeme Vorg&#228;nge, die dazu dienen, aus der F&#252;lle der Reize, die st&#228;ndig auf uns einstr&#246;men, nur die herauszupicken, die einer weiteren Verarbeitung zugef&#252;hrt werden sollen. Diesen Prozess der selektiven Aufmerksamkeit kann man sehr gut untersuchen und stellt dabei fest, dass bestimmte Reize sozusagen die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Wenn ein neuer Reiz im Gesichtsfeld auftaucht, f&#252;hrt das zu st&#228;rkeren Reaktionen, weil die Neuronen, die sich mit Vorhandenem besch&#228;ftigen, sich bereits adaptiert haben. Neuronale Antworten auf neue Reize ragen sozusagen wie Gipfel aus dem Wolkenmeer adaptiver Antworten und fallen dadurch auf. Das sind dann auch die Antworten, die mit gr&#246;&#223;erer Wahrscheinlichkeit weitergeleitet werden und somit per se schon Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dann gibt es aber auch den Prozess, der von oben nach unten abl&#228;uft, der wahrscheinlich &#252;ber Erwartungswerte gesteuert wird und der wie ein Suchprozess wirken kann.”</p>
<p><em>Die Konsequenzen f&#252;r die Diskussion um die Schule der Zukunft sind weit reichend. Wenn im Zentrum der Lernprozesse in den ersten f&#252;nfzehn Lebensjahren nicht das lineare Anlagern von Informationen, sondern das Ausbilden systemischer Strukturen f&#252;r die Gestaltwahrnehmung steht, dann liegt der spezifische Beitrag des schulischen Unterrichts weniger im Erwerb einzelner Kenntnisse (so mannigfach sie seien), als im Wagen der Einbildungskraft und dem Erproben der Aufmerksamkeit. Nicht so sehr auf das Ein&#252;ben diskursiver Operationen kommt es an in den ersten neun Schuljahren - daf&#252;r ist immer noch Zeit -, sondern auf den Reichtum der Anschauung. Es geht um eine Neuge